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Die Mose-Figur als Gegenentwurf zur neuassyrischen Königssideologie im 7. Jh. v.u.Z.

"Die Geburt des Mose. Die Mose-Figur als Gegenentwurf zur neuassyrischen Königssideologie im 7. Jh. v.u.Z." aus: E. Otto, Die Tora. Studien zum Pentateuch, BZAR 9, 2009 (Harrassowitz)  Jehovist ursprünglich ein reines Geschichtsbuch, Deuteronomium ursprünglich ein reines Gesetzbuch (J. Wellhausen) Die Verbindung von Gesetz und Geschichtserzählung im Deuteronomium konnte nach J. Wellhausens Meinung an die vordeuteronomische Einfügung des Dekalogs in die Sinaiperikope des Jehowisten anknüpfen, die nicht Mose, sondern die Propheten und deren Geist zur Voraussetzung haben. Eheschließung Es gilt der Forschung bisher als selbstverständlich, „dass der Weg von der Eheschließung bis zur Geburt des ersten Kindes mit der Reihenfolge der Verben jql (‚sich zur Frau nehmen‘), hrh (‚schwanger werden‘) und dly (‚gebären‘) in 2,1.2a als voraussichtlich konventionell beschrieben wird“. Ein genauerer Blick auf das alttestamentliche Eherecht zeigt, dass in der eherechtlichen Vertragsformel des E...

Ethik

Handel so, dass du auch wollen kannst, dass deine Maxime allgemeines Gesetz werde (Kant) Ethische Verantwortung bedeutet, dass man für die Folgen seines Handelns aufzukommen hat. Alles ethisch orientierte Handeln kann zwei voneinander grundverschiedenen Maximen folgen: gesinnungsethisch und verantwortungsethisch, wenngleich die Gesinnungsethik nicht ohne Verantwortung, und die Verantortungsethik nicht ohne Gesinnung sein muss. Gesinnungsethisch: Wenn die Folgen einer aus reiner Gesinnung fließenden Handelung üble sind, so macht de Handelnde nicht er selbst, sondern die Welt dafür verantwortlich, also die Dummheit anderer Menschen, oder den Willen Gottes, der sie schuf. Verantwortungsethisch: Der Handelnde rechnet mit eben jenen "Defekten" der Menschen, er hat kein Rexcht, ihre Güte und Vollkommenheit vorauszusetzen, er fühlt sich nicht in der Lage, die Folgen eigenen Tuns, soweit er sie voraussehen konnte, auf andere abzuwälzen.  (Max Weber) Ethik ist ins Grenzenlose erweiter...

Asarhaddon und das Deuteronomium

Die Bedeutung der neuassyrischen Treueeid-Tradition für die Komposition des Gesetzeskorpus des Deuteronomiums wurde nach der Veröffentlichung (1958) von Asarhaddons Vasallenverträgen zur Sicherung des Thronanspruchs erkannt. Von speziellem Interesse ist das Gesetzeskorpus des Deuteronomiums (Kap. 12 – 26). Moshe Weinfeld betonte die unmittelbare literarische Abhängigkeit der Vertragsflüche in Dtn 28 sowie der Apostasiegesetze in Dtn 13 von Asarhaddons Verträgen. Die Abfolge einer spezifischen Gruppe von Flüchen zum Abschluss des Gesetzes korpus (Dtn 28,27 – 35) kann nur als direkt abgeleitet aus Asarhaddons Vasallenverträgen (VTE §§ 39 – 42: Zeilen 419– 430) verstanden werden. Hautkrankheiten (V 27), Blindheit (V 28f), Verlust der Ehefrau (V 30a), Abhandenkommen der Nachkommenschaft (V 30b.32), Besetzung durch ausländisches Militär (V 33). Die Anordnung folgt der speziellen Hiearchie des neuassyrischen Pantheons. Die Flüche, die mit Sin und Schamasch verbunden sind, erscheinen in der...

Wer schrieb die Bibel? (Neuere Urkundenhypothese)

Julius Wellhausen (1844-1918) war einer der Begründer der modernen Bibelkritik. Die nach ihm benannte Wellhausen-Schule spricht weiten Teilen der biblischen Überlieferung die Historizität ab und betrachtet sie lediglich als Projektion späterer Epochen. Sie bediente sich dabei methodisch ausschließlich der literarischen Analyse antiker Texte. Wellhausen stellte einige noch heute diskutierte Thesen auf (unter anderem die Neuere Urkundenhypothese). Die Neuere Urkundenhypothese ist eine Theorie der historisch-kritischen Bibelwissenschaft und wurde in der Forschungsgeschichte der Toraforschung zum bislang bestimmendsten Erklärungsmodell für die Entstehungsgeschichte der fünf Bücher Mose. Entwickelt wurde die Neuere Urkundenhypothese im ausgehenden 19. Jahrhundert von den Alttestamentlern Karl Heinrich Graf, Abraham Kuenen und vor allem von Julius Wellhausen. Wellhausen unterschied für die gesamte Tora vier Quellen: 1. Jahwist (abgekürzt: J), aus der Zeit um 950 v.u.Z. Geschrieben im südlich...

Humanismus und DDR

Da dieses Thema sehr umfassend ist, möchte ich hier nur ein paar wenige, herausgepickte Aspekte nennen und dabei vor allem auf einen Vortrag von Dr. habil. Horst Groschopp (Q2) verweisen, um das hier sehr kurz angerissene Bild ansatzweise zu vervollständigen. War die DDR ein humanistisches Land? So zumindest stand es in ihren Verfassungen und in Gesetzestexten. (Q1) So stand es sonst in keinen anderen Verfassungen oder Gesetzestexten auf der Welt. aus: "Die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik" [vom 7. Oktober 1949] ARTIKEL 37 (2) Als Mittlerin der Kultur hat die Schule die Aufgabe, die Jugend im Geiste des friedlichen und freundschaftlichen Zusammenlebens der Völker und einer echten Demokratie zu wahrer Humanität zu erziehen. (Q3) So sehr dies auch nach historisch geprägten Merkmalen des Humanismus klingt, wurde das Humanismus-Verständnis der DDR-Politik mit der 2. Verfassung primär gegen den Kapitalismus und seine Entwertung des Menschen ausgerichtet und in zun...

Xenophanes von Kolophon

Geboren um 580/570 v.u.Z. war er ein griechischer Philosoph und Dichter und zählt zu den Vorsokratikern. Im Sinne Hegels gilt Xenophanes als „Sturmvogel der griechischen Aufklärung“, welcher erste Ideen einer aufklärerischen Religionskritik und des Rationalismus entwickelte. Xenophanes kritisierte somit die anthropomorphe Göttervorstellung Homers und Hesiods und laut seinem religionssoziologischen Ansatz schufen nicht die Götter die Menschen, sondern die Menschen die Götter („Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus“). In seinem philosophischen Hauptwerk Über die Natur vertritt er jedoch einen Monotheismus, dessen Gott ewig, einheitlich, unbeweglich und von vollkommener (nicht-physischer) Gestalt ist, wobei das Pantheon der ursprünglich und vorhomerisch durchaus lokalen Gottheiten erhalten bleibt - also eine Art "Henotheismus". Karl Popper hielt Xenophanes für einen Vorläufer des kritischen Rationalismus. Das menschliche Wissen besteht für Xenophanes aus V...

Ashera & Jahwe

   Der hebräische Begriff Ašerā (ugaritisch aṯrt, wohl als Aṯirat, semitischen aṯr "heiliger Ort") erscheint 40 mal im Alten Testament, aber die Unterscheidung zwischen Göttern und ihren Kultobjekte waren nicht genau definiert. In einigen altbabylonischen Götterlisten wird Ashera als eine von Amurru's Ehefrauen aufgelistet. Im hethitischen Mythos von Elkunirsa, wird die Frau des Gottes Elkunirsa "Asertum" genannt. In den Texten von Ugarit, ist Göttin Atrt (Atiratu) die Frau von El, dem höchsten Gott des Ugaritischen Pantheons. Einige Gelehrte haben vorgeschlagen, dass Asherah auch in Jer 7,18 und 44,17-19 unter dem Beinamen "Königin des Himmels" zu finden ist, aber eine Identifikation mit den Astralgottheiten Ishtar oder Astarte ist wahrscheinlicher (Olyan 1987). Einige fragmentarische Inschriften, die Asherah erwähnen fanden sich in Kuntillet Ajrud. Darüber hinaus bestätigt eine Schrift von Khirbet el-Kom (10 km südöstlich von Lachish) die Ass...