Direkt zum Hauptbereich

Posts

Sinn und Funktion von Religion

"Die Wahrheit einer Religion liegt nicht da, wo sie die Gläubigen vermuten"
(Emile Durkheim)

Menschliche Konstrukte und/oder kirchliche Dogmen können uns angesichts der Sinnlosigkeit des Daseins helfen, die unendliche Komplexität der Welt auf ein menschlich handhabbares Maß zu reduzieren. (sinngemäß Niklas Luhmann)

"Da sich alle Gläubigen in jeweils ihrem Glaube, in ihrer Religion wohl fühlen, gleich, welche spezifischen Merkmale diese Religion hat, muss es etwas anderes als dieses Merkmal sein, was sie zufrieden stellt" Es ist das genetisch verankerte Bedürfnis nach Sicherheit in jedem Menschen, das (auch) durch Religion befriedigt wird. (Dieter Brandt)

--------

Definitionsversuche des Begriffes "Religion"
- Der substanzialistische Religionsbegriff bezieht sich auf inhaltliche Merkmale von Religion, da die Definition vom Wesen der Religion abgeleitet wird und die wesentlichen Merkmale von Religion charakterisiert werden sollen. Er begreift Religion als …
Letzte Posts

Geschichte des Atheismus

Im antiken Griechenland wurde der Atheismus-Begriff mit dem Alpha privativum gebildet
(A-theismus), er hat verschiedene altgriechische Varianten (im Sinne von ‚Gottlosigkeit‘, ‚Gottesleugnung‘ und ‚Unglaube‘).  Als Alpha privativum bezeichnet man in der griechischen Sprache das Präfix ἀ- a-, welches die Abwesenheit, Umkehrung oder Wirkungslosigkeit des Bezeichneten ausdrückt oder das zugrundeliegende Wort verneint. Die latinisierte Form ‚Atheismus‘ findet sich erstmals bei Cicero.

Die explizite Ablehnung theistischer Positionen wird teils als „theoretischer Atheismus“, und die Lebenspraxis (die sich vollzieht, als ob etwas Göttliches nicht existiert) als „praktischen Atheismus“ bezeichnet.

Materialistisch-atheistisch war die indische Schule der Charvaka, die zweifelsfrei seit dem 6./7. Jahrhundert als feste Strömung belegbar ist und mindestens bis ins 16. Jahrhundert existierte. Ihre Elemente sind Atheismus, Materialismus und Hedonismus. Erstmals im 7. Jahrhundert benutzte der Phil…

Freidenker und Säkularismus

Säkularismus bezeichnet eine Weltanschauung, die sich auf die Immanenz und Verweltlichung der Gesellschaft beschränkt und auf darüber hinausgehende, religiöse Fragen verzichtet. Sie erwächst aus zwei Prozessen: zum einen aus der Säkularisierung, also dem mentalen Prozess der Entflechtung oder Trennung zwischen Religion und Staat, zum anderen aus der Säkularisation, dem konkreten Prozess der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen. Der Begriff wurde von dem Theologen Friedrich Gogarten (1887–1967) geprägt


Der Begriff Freidenker hat seinen Ursprung in der englischen und französischen Aufklärung. Das Wort geht auf einen Brief des englischen Philosophen und Naturwissenschaftlers William Molyneux vom 6. April 1697 an den Begründer der englischen Aufklärung John Locke zurück. Die deutsche Übertragung von Freethinker zu Freidenker, die 1715 durch Gottfried Wilhelm Leibniz erfolgte, verband sich im Laufe des 18. Jahrhunderts mit dem schon bekannten Begriff Freigeist.


In dem 188…

Theorien zur Religionsentwicklung

Evolutions-, Dekadenz- und Diffusions-Theorien

Beide religionswissenschaftlichen Versuche, die Entwicklung von Religionen in ein kategorisches Verständnis zu bringen, arbeiten mit der Annahme einer gleichartigen Entwicklung der Menschheitsgeschichte und einer gleichartigen Strukturierung aller Menschen. Die Religionswissenschaft ist in diesem Rahmen ein Produkt des abendländlichen Denkens und somit auch durch christliche Denkmuster geprägt. Im 19. Jhr. versuchte man damit den christlich-abendländlichen Menschen alte und andere Religionen zu erklären, was jedoch nur Verständnis erzeugen konnte, wenn es bekannte Sprachbegriffe verwendet. Dennoch versuchte die Religionswissenschaft eine distanzierte Haltung zu bewahren. Die Erklärungsmodelle dieser Wissenschaft entsprechen somit nur in geringem Ansatz dem persönlichen Verständnis eines gläubigen Menschen, selbst der (nicht theologisch gebildete) Christ würde seinen Glauben - sein Verständnis über seine Religion - in den religionswissensc…

Schrift als Motor der religiösen Entwicklung

Obwohl Schrift in Mesopotamien zunächst für wirtschaftliche Zwecke entstand, entwickelte sie schnell ein Eigenleben und bezog sich auf weitere Bereiche. Es entstanden Königsschriften, die Ansätze der Geschichtsschreibung waren. Weisheiten und Sprichwörter, die als Schreibübungen dienten, vermittelten Bildung und Ethik. Das Niederschreiben religiöser Texte entwickelte eine Reflexion über die Religion, Wortlisten im bilingualen Raum (sumerisch/akkadisch) explizierten das in der Sprache steckende implizite Denken (Basis für Sprachwissenschaft). Götterlisten explizierten die religiös implizierten Ordnungskriterien, die den Mythen zugrunde liegen und erzeugten damit eine distanzierte, methodische Herangehensweise (Basis für Religionswissenschaft).

Erst die differenzierte und methodische Betrachtung ermöglichte Reflexion, welche oft ein Umdenken und Veränderung erzeugten. Durch das philosophische Denken der antiken Griechen entwickelte sich die differenzierte Reflexion weiter.

Im weiteren …

religiöse Symbolik

Die Weltdarstellungen von Religionen geben positive und negative Aspekte an: die "Welt" und die "Un-Welt" und damit verbunden die "Gegenwelt". Der Bereich des Todes rückt häufig in die Gegenwelt, die gewohnte soziale Ordnung  entspricht der "Welt" und Unwetter, Feinde, Krankheiten usw. gehören zur "Un-Welt". Wenn der Euphrat in Mesopotamien einen normalen Stand hatte, war er Aspekt der "Welt", trug er zu wenig, oder zu viel Wasser, war etwas nicht in Ordnung, es entsprach der "Un-Welt" (womöglich haben böse Dämonen dies veranlasst). Die "Gegenwelt" (Himmel, Paradies, Totenwelt etc.) ist durch andere Daseinsbedingungen charakterisiert, die teils eine Aussicht auf ein schönes Jenseits eröffnen, womit die so formulierte (d.h. sprachlich konstruierte) "Gegenwelt" eine orientierende Wirkung entfalten konnte, welche wiederum das "triste" Diesseits relativiert. Religiöser Kommunikation geht es…

Entwicklung von Religion

religiöse Entwicklung durch gesellschaftliche Ausdifferenzierung

1. segmentäre Gesellschaften
mesolithische Kulturen, Wildbeuter, "primitive" Religionen
Es besteht eine Dominanz der Gesellschaft gegenüber der Freiheit des Individuums. Der Mensch hat eine unzureichende Subjekt-Objekt-Trennung und kann zwischen der Innensicht (Gedanken, Träume) und der Außensicht (Umwelt) nur gering unterscheiden. Er unterschiedet nicht zwischen sakral/profan (heilig/gewöhnlich), zwischen Gesellschaft und Individuum, zwischen Individuum und Umwelt oder zwischen früher und heute. Durch diese mangelnde Unterscheidung hat das Individuum aber auch keinen Konflikt gegenüber der Dominanz des gesellschaftlich Vorgegebenen, da die Grenzen verschwimmen. Das gesellschaftlich Vorgegebene entspricht dem "Ritual" (religiöses Handeln), es entfaltet sich nur im Kollektiv, d.h. es gibt keinen persönlichen Glauben, sondern nur einen kollektiven Glauben, der sich auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft b…

Einblick in die Religionswissenschaft

Definitionsversuche des Begriffes "Religion"

Religionswissenschaft bezieht sich auf die Reflexion "von innen" und "von außen". Die Zuordnung von Religion und Gemeinschaft führte zur Entstehung der Religionssoziologie, als deren Begründer Auguste Comte (1798-1857) zählt, wenngleich es sich bei ihm noch um eine "Sozialphilosophie" mit stark religiösen Zügen handelte, die noch nicht empirisch orientiert war. Emile Durkheim ( ->) begründete dann die Soziologie als empirische Wissenschaft und grenzte sie von der Psychologie und der Biologie ab.

Religionswissenschaft kann nur konstruktivistisch ermitteln, da ihr Untersuchungsgebiet - die Religionen - in einem Höchstmaß konstruktivistisch sind und selbst die gesammelten, empirischen Daten, die der Religionswissenschaft zur Verfügung stehen, konstruktivistisch sind (bspw. die Erklärungen von Gläubigen).

-Der substanzialistische Religionsbegriff bezieht sich auf inhaltliche Glaubens-Merkmale und begr…