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Es werden Posts vom März, 2019 angezeigt.

Schrift als Motor der religiösen Entwicklung

Obwohl Schrift in Mesopotamien zunächst für wirtschaftliche Zwecke entstand, entwickelte sie schnell ein Eigenleben und bezog sich auf weitere Bereiche. Es entstanden Königsschriften, die Ansätze der Geschichtsschreibung waren. Weisheiten und Sprichwörter, die als Schreibübungen dienten, vermittelten Bildung und Ethik. Das Niederschreiben religiöser Texte entwickelte eine Reflexion über die Religion, Wortlisten im bilingualen Raum (sumerisch/akkadisch) explizierten das in der Sprache steckende implizite Denken (Basis für Sprachwissenschaft). Götterlisten explizierten die religiös implizierten Ordnungskriterien, die den Mythen zugrunde liegen und erzeugten damit eine distanzierte, methodische Herangehensweise (Basis für Religionswissenschaft).

Erst die differenzierte und methodische Betrachtung ermöglichte Reflexion, welche oft ein Umdenken und Veränderung erzeugten. Durch das philosophische Denken der antiken Griechen entwickelte sich die differenzierte Reflexion weiter.

Im weiteren …

religiöse Symbolik

Die Weltdarstellungen von Religionen geben positive und negative Aspekte an: die "Welt" und die "Un-Welt" und damit verbunden die "Gegenwelt". Der Bereich des Todes rückt häufig in die Gegenwelt, die gewohnte soziale Ordnung  entspricht der "Welt" und Unwetter, Feinde, Krankheiten usw. gehören zur "Un-Welt". Wenn der Euphrat in Mesopotamien einen normalen Stand hatte, war er Aspekt der "Welt", trug er zu wenig, oder zu viel Wasser, war etwas nicht in Ordnung, es entsprach der "Un-Welt" (womöglich haben böse Dämonen dies veranlasst). Die "Gegenwelt" (Himmel, Paradies, Totenwelt etc.) ist durch andere Daseinsbedingungen charakterisiert, die teils eine Aussicht auf ein schönes Jenseits eröffnen, womit die so formulierte (d.h. sprachlich konstruierte) "Gegenwelt" eine orientierende Wirkung entfalten konnte, welche wiederum das "triste" Diesseits relativiert. Religiöser Kommunikation geht es…

Entwicklung von Religion

religiöse Entwicklung durch gesellschaftliche Ausdifferenzierung

1. segmentäre Gesellschaften
mesolithische Kulturen, Wildbeuter, "primitive" Religionen
Es besteht eine Dominanz der Gesellschaft gegenüber der Freiheit des Individuums. Der Mensch hat eine unzureichende Subjekt-Objekt-Trennung und kann zwischen der Innensicht (Gedanken, Träume) und der Außensicht (Umwelt) nur gering unterscheiden. Er unterschiedet nicht zwischen sakral/profan (heilig/gewöhnlich), zwischen Gesellschaft und Individuum, zwischen Individuum und Umwelt oder zwischen früher und heute. Durch diese mangelnde Unterscheidung hat das Individuum aber auch keinen Konflikt gegenüber der Dominanz des gesellschaftlich Vorgegebenen, da die Grenzen verschwimmen. Das gesellschaftlich Vorgegebene entspricht dem "Ritual" (religiöses Handeln), es entfaltet sich nur im Kollektiv, d.h. es gibt keinen persönlichen Glauben, sondern nur einen kollektiven Glauben, der sich auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft be…

Einblick in die Religionswissenschaft

Definitionsversuche des Begriffes "Religion"

Religionswissenschaft bezieht sich auf die Reflexion "von innen" und "von außen". Die Zuordnung von Religion und Gemeinschaft führte zur Entstehung der Religionssoziologie, als deren Begründer Auguste Comte (1798-1857) zählt, wenngleich es sich bei ihm noch um eine "Sozialphilosophie" mit stark religiösen Zügen handelte, die noch nicht empirisch orientiert war. Emile Durkheim ( ->) begründete dann die Soziologie als empirische Wissenschaft und grenzte sie von der Psychologie und der Biologie ab.

Religionswissenschaft kann nur konstruktivistisch ermitteln, da ihr Untersuchungsgebiet - die Religionen - in einem Höchstmaß konstruktivistisch sind und selbst die gesammelten, empirischen Daten, die der Religionswissenschaft zur Verfügung stehen, konstruktivistisch sind (bspw. die Erklärungen von Gläubigen).

-Der substanzialistische Religionsbegriff bezieht sich auf inhaltliche Glaubens-Merkmale und begr…

Cunctos populos - Wegweiser ins finstere Mittelalter

Im vierten Jahrhundert drohte das Christentum zu zerfallen. Weder Bischof noch Papst hatten vermocht, den Krieg christlicher Konfessionen, die beschämenden religiösen Feindseligkeiten und die gegenseitigen Exilierungen und Verwünschungen unter Kontrolle zu bekommen. (…)
Ab dem Konzil von Nicäa (325) fanden über die folgenden 55 Jahre etliche weitere Konzile statt, die sich alle der Aufgabe verschrieben hatten, das drohende Schisma zu verhindern. Keines dieser Konzile war in der Lage, die Einheit der christlichen Kirche herzustellen oder eine Richtung zur tragenden zu erklären. (Q1)
Um mit einem absoluten Machtergreifungsakt die innerchristlichen Streitigkeiten zu beenden, indem man nur eine einzige der vielen christlichen Gruppierungen zum "wahren Christentum" erklärte, wurde am 28. Februar 380 unter dem ost-römischen Kaiser Theodosius I. und seinen Mitkaisern das Dreikaiseredikt „Cunctos populos“verabschiedet. Es beendete die nominelle Religionsfreiheit und war der wesentl…