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Entwicklung von Religion

religiöse Entwicklung durch gesellschaftliche Ausdifferenzierung

1. segmentäre Gesellschaften
mesolithische Kulturen, Wildbeuter, "primitive" Religionen
Es besteht eine Dominanz der Gesellschaft gegenüber der Freiheit des Individuums. Der Mensch hat eine unzureichende Subjekt-Objekt-Trennung und kann zwischen der Innensicht (Gedanken, Träume) und der Außensicht (Umwelt) nur gering unterscheiden. Er unterschiedet nicht zwischen sakral/profan (heilig/gewöhnlich), zwischen Gesellschaft und Individuum, zwischen Individuum und Umwelt oder zwischen früher und heute. Durch diese mangelnde Unterscheidung hat das Individuum aber auch keinen Konflikt gegenüber der Dominanz des gesellschaftlich Vorgegebenen, da die Grenzen verschwimmen. Das gesellschaftlich Vorgegebene entspricht dem "Ritual" (religiöses Handeln), es entfaltet sich nur im Kollektiv, d.h. es gibt keinen persönlichen Glauben, sondern nur einen kollektiven Glauben, der sich auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft bezieht (also keine persönlichen Bittgebete etc.). Das "Ritual" ist eine alternativlose Lebenseinstellung. Das Leben fand in Großfamilien (Clans) statt und war daher mit einem Ahnenkult verbunden. Durch die fehlende Subjekt-Objekt-Trennung ging es mit animistischen Vorstellungen (belebte Umwelt) einher und im Bereich der Jagd war man der höheren Macht ("Herr der Tiere") ausgeliefert. Sie bestimmte über Erfolg und Misserfolg. Es gab nur eine geringe Arbeitsteilung und somit keine differenzierte Gesellschaft, der Kontakt zu anderen Gruppen war gering und die "eigentliche" Welt begrenzte sich auf den gemeinschaftlichen Lebensraum, alles was darüber hinaus ging war diffus und tendenziell negativ geprägt. Es gab kaum Eingriffe in die Natur, das religiöse Handeln bezog sich auf den erhalt der vorgefundene Wletordnung und man orientierte sich primär am Wandel von Tag und Nacht. Das religiöse Handeln basiert auf Nachahmung, die einzige gesellschaftliche Differenzierung (neben Mann/Frau und Erwachsen/Kind) bezog sich auf den "Schamanen". Es gab keine gedankliche Reflexion über das religiöse Handeln.


https://zh.wikipedia.org/wiki/File:Из_Фламмариона.jpg


2. stratifizierte Gesellschaften
Frühe Hochkulturen (speziell Alter Orient)
Religionen werden nun universalistisch, wodurch es nicht mehr bedeutend ist, aus welchen Clan oder Stamm man kommt. Die Arbeitsteilung wurde differenzierter, die Trennung einzelner gesellschaftlicher Bereich wurde konkreter, die Kontakte zu Fremden nahmen zu. Für eigene Teilbereiche des gesellschaftlichen Lebens gab es nun eigene, höhere Mächte die zu göttlichen Persönlichkeiten ausdifferenziert wurden (Polytheismus). Zum Ritual (religiöses Handeln) kam (vor allem durch die Entwicklung der Schrift)  der "Mythos" (religiöses Erklären) dazu, durch den eine Reflexion des religiösen Handeln entstand, welche das Potential für Veränderung und Anpassung bereithielt. Die religiöse Verwaltung wurde differenzierter und teils hierarchisch (Priesterkaste), aus dem Nachahmen des Rituals wurde ein präziseres Formeln lernen. Die religiösen Deutungsmuster bestimmen nach wie vor das Verhalten, aber nicht mehr wie ein unabänderliches Gesetz, sondern müssen nun kodifiziert und gelehrt werden. Noch immer war die eigentliche Welt auf den eigenen Lebensraum begrenzt, die (nahe gelegene) restliche Welt aber wurde aber genauer, es kam auch zu Bündnissen und der Handel nahm zu, welcher wiederum auch eine Zunahme der Reflexion über das eigene, gesellschaftliche  Leben mit sich brachte und auch zum Austausch religiöser Gedanken führte. Der Eingriff in die Umwelt nahm zu (Wälder wurden gerodet, Flüsse umgeleitet, Tiere domestiziert), im religiösen Denken und Handeln ging es um den Erhalt der bekannten Gesellschaftsordnung. Durch den Ackerbau wurde der Wandel der Jahreszeiten wichtiger, an dem sich vor allem auch der "Kult" (Ritual + Mythos) ausrichtete. Die Hierarchie wurde ausgeweitet, bis hin zum Königtum,  aber noch immer stand das Allgemeinwohl über den individuellen Bedürfnissen, doch gewann der individuelle Anspruch zunehmen an Bedeutung. Das religiöse Leben war nicht mehr allein ans Kollektiv gebunden, aber nach wie vor an den gesellschaftlichen Lebensraum. Damit der im Feindesland gefallenen, assyrische König vom assyrischen Gott aufgenommen werden konnte, musste er in der Heimat begraben werden. Der verreisende, sumerische Händler stellte im lokalen Tempel eine Beterstatue auf, da er selbst im Ausland nicht zu seiner Lokalgottheit beten konnte. Bitt- und Lobgebete kamen auf, dienten aber noch dem Allgemeinwohl, bis dann später Überlegungen zur Theodizee aufkamen (Babylon), die dann mehr ans Individuum gebunden waren. Das kollektive Ritual wandelte sich zu einem persönlichen glauben, innerhalb des gesellschaftlich vorgeschriebene Glaubenssystems.

3. Antike, Moderne
Individuelle Bedürfnisse stellten mehr und mehr das gemeinschaftlich Vorgegebene in den Hintergrund (ohne dies auszublenden), der persönliche Glaube konnte sich aus einem Pluralismus an Möglichkeiten etwas heraussuchen (römische Mysterienkulte, Glaubenspluralismus unter Alexander dem Großen). Dei Glaubenslehren nahmen nun konkretere Züge an, Religion bildete nur noch ein System neben Anderen (wie Politik, Medizin usw.)


weiter führend:
Theorien zur Religionsentwicklung
Entstehung von Religionen


Quellen:
Fritz Stolz: "Grundzüge der Religionswissenschaft"
Ken Wilber: "Halbzeit der Evolution"
Claude Lévi-Strauss
William Robertson Smith
Friedrich Max Müller
Lucien Lévy-Bruhl

https://de.wikipedia.org/wiki/Segmentäre_Gesellschaft
stratifizierte Gesellschaft

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