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Sinn und Funktion von Religion

"Die Wahrheit einer Religion liegt nicht da, wo sie die Gläubigen vermuten"
(Emile Durkheim)

Menschliche Konstrukte und/oder kirchliche Dogmen können uns angesichts der Sinnlosigkeit des Daseins helfen, die unendliche Komplexität der Welt auf ein menschlich handhabbares Maß zu reduzieren. (sinngemäß Niklas Luhmann)

"Da sich alle Gläubigen in jeweils ihrem Glaube, in ihrer Religion wohl fühlen, gleich, welche spezifischen Merkmale diese Religion hat, muss es etwas anderes als dieses Merkmal sein, was sie zufrieden stellt" Es ist das genetisch verankerte Bedürfnis nach Sicherheit in jedem Menschen, das (auch) durch Religion befriedigt wird. (Dieter Brandt)

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Definitionsversuche des Begriffes "Religion"
- Der substanzialistische Religionsbegriff bezieht sich auf inhaltliche Merkmale von Religion, da die Definition vom Wesen der Religion abgeleitet wird und die wesentlichen Merkmale von Religion charakterisiert werden sollen. Er begreift Religion als …
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Radikalaufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung kann in zwei ideologische Hauptströmungen, die im späten 17. Jahrhundert aufkamen und das ganze 18. Jahrhundert hindurch fortbestanden, unterschieden werden:

1. die moderate, reformerische Aufklärung, welche die Hauptströmung der Aufklärung bildete (prominente Vertreter: z. B. John Locke, Newton, Montesquieu, David Hume, Voltaire).

2. die revolutionäre, säkularistische Radikalaufklärung (herausragende Vertreter: z. B. Diderot, Helvétius, Paul Henri Thiry d’Holbach, Julien Offray de La Mettrie, Thomas Paine, Marquis de Sade).


Die Radikalaufklärer gingen besonders kämpferisch und subversiv gegen den Pakt von Adel und Klerus vor, verbreiteten umstürzlerisches Gedankengut, so dass ihre Werke nur klandestin (‚heimlich‘, ‚geheim‘) und anonym verbreitet werden konnten. Ihre Werke wurden zensiert, immer wieder verboten und öffentlich verbrannt. Die Radiklaaufklärer riskierten Gefängnisstrafen, Verbannung oder gar den Scheiterhaufen. Aber insbesondere aus dieser r…

Über die drei Betrüger

In Frankreich ist der legendäre "Traktat über die drei Betrüger" Moses, Jesus und Mohammed ein stiller Bestseller. In Deutschland bleibt er noch zu entdecken.
Moses, Jesus und Mohammed haben die Menschen belogen, Gott ist nur eine verrückte Idee und die unsterbliche Seele eine Chimäre. Das behauptete vor mehr als 300 Jahren ein anonymer Verfasser in dem wohl radikalsten Text der Aufklärung, dem Traktat über die drei Betrüger.

Der 1719 erschienene "Traité des trois imposteurs" („Traktat über die drei Betrüger“) gibt sich als eine Übersetzung des legendären mittelalterlichen Werkes "De tribus impostoribus" („Über die drei Betrüger“) aus. Dabei werden die drei Religionsstifter Moses, Jesus und Mohammed als Betrüger dargestellt. Der Vorwurf des Betruges zielt auf vorgebliche Offenbarungen und Taschenspielertricks (scheinbare Wunder).



„Über die drei Betrüger“

Die erste Erwähnung findet sich 1239 in einem Brief Papst Gregors IX., in dem er Kaiser Friedrich II. ei…

Frühaufklärung und Spinozismus

Denn "Spinozismus ist Atheismus" meinte Friedrich Heinrich Jacobi als er Moses Mendelssohn schrieb, dass Gotthold Ephraim Lessing ein Spinozist sei. Atheismus aber war nicht zu dulden.

Der Pantheismus- oder Spinozastreit gehört zu den wichtigsten und einflussreichsten philosophischen Streitsachen am Beginn der jüngeren Moderne. Ausgelöst wurde der Streit durch die Schrift Friedrich Heinrich Jacobis (1743-1819) "Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn". Jacobis These besagte, dass Spinozas Philosophie der Inbegriff einer streng rationalen Philosophie sei hat und zu Atheismus und Fatalismus führe.

Ludwig Feuerbach meinte später: „Spinoza ist der Urheber der spekulativen Philosophie. Schelling ihr Wiederhersteller, Hegel ihr Vollender. Der Pantheismus ist die notwendige Konsequenz der Theologie (oder des Theismus) – die konsequente Theologie; der Atheismus die notwendige Konsequenz des ‚Pantheismus‘, der konsequente ‚Pantheismus‘.“


Als Fr…

Geschichte des Atheismus

Im antiken Griechenland wurde der Atheismus-Begriff mit dem Alpha privativum gebildet
(A-theismus), er hat verschiedene altgriechische Varianten (im Sinne von ‚Gottlosigkeit‘, ‚Gottesleugnung‘ und ‚Unglaube‘).  Als Alpha privativum bezeichnet man in der griechischen Sprache das Präfix ἀ- a-, welches die Abwesenheit, Umkehrung oder Wirkungslosigkeit des Bezeichneten ausdrückt oder das zugrundeliegende Wort verneint. Die latinisierte Form ‚Atheismus‘ findet sich erstmals bei Cicero.

Die explizite Ablehnung theistischer Positionen wird teils als „theoretischer Atheismus“, und die Lebenspraxis (die sich vollzieht, als ob etwas Göttliches nicht existiert) als „praktischen Atheismus“ bezeichnet.

Materialistisch-atheistisch war die indische Schule der Charvaka, die zweifelsfrei seit dem 6./7. Jahrhundert als feste Strömung belegbar ist und mindestens bis ins 16. Jahrhundert existierte. Ihre Elemente sind Atheismus, Materialismus und Hedonismus. Erstmals im 7. Jahrhundert benutzte der Phil…

Freidenker und Säkularismus

Säkularismus bezeichnet eine Weltanschauung, die sich auf die Immanenz und Verweltlichung der Gesellschaft beschränkt und auf darüber hinausgehende, religiöse Fragen verzichtet. Sie erwächst aus zwei Prozessen: zum einen aus der Säkularisierung, also dem mentalen Prozess der Entflechtung oder Trennung zwischen Religion und Staat, zum anderen aus der Säkularisation, dem konkreten Prozess der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen. Der Begriff wurde von dem Theologen Friedrich Gogarten (1887–1967) geprägt


Der Begriff Freidenker hat seinen Ursprung in der englischen und französischen Aufklärung. Das Wort geht auf einen Brief des englischen Philosophen und Naturwissenschaftlers William Molyneux vom 6. April 1697 an den Begründer der englischen Aufklärung John Locke zurück. Die deutsche Übertragung von Freethinker zu Freidenker, die 1715 durch Gottfried Wilhelm Leibniz erfolgte, verband sich im Laufe des 18. Jahrhunderts mit dem schon bekannten Begriff Freigeist.


In dem 188…

Theorien zur Religionsentwicklung

Evolutions-, Dekadenz- und Diffusions-Theorien

Beide religionswissenschaftlichen Versuche, die Entwicklung von Religionen in ein kategorisches Verständnis zu bringen, arbeiten mit der Annahme einer gleichartigen Entwicklung der Menschheitsgeschichte und einer gleichartigen Strukturierung aller Menschen. Die Religionswissenschaft ist in diesem Rahmen ein Produkt des abendländlichen Denkens und somit auch durch christliche Denkmuster geprägt. Im 19. Jhr. versuchte man damit den christlich-abendländlichen Menschen alte und andere Religionen zu erklären, was jedoch nur Verständnis erzeugen konnte, wenn es bekannte Sprachbegriffe verwendet. Dennoch versuchte die Religionswissenschaft eine distanzierte Haltung zu bewahren. Die Erklärungsmodelle dieser Wissenschaft entsprechen somit nur in geringem Ansatz dem persönlichen Verständnis eines gläubigen Menschen, selbst der (nicht theologisch gebildete) Christ würde seinen Glauben - sein Verständnis über seine Religion - in den religionswissensc…

Schrift als Motor der religiösen Entwicklung

Obwohl Schrift in Mesopotamien zunächst für wirtschaftliche Zwecke entstand, entwickelte sie schnell ein Eigenleben und bezog sich auf weitere Bereiche. Es entstanden Königsschriften, die Ansätze der Geschichtsschreibung waren. Weisheiten und Sprichwörter, die als Schreibübungen dienten, vermittelten Bildung und Ethik. Das Niederschreiben religiöser Texte entwickelte eine Reflexion über die Religion, Wortlisten im bilingualen Raum (sumerisch/akkadisch) explizierten das in der Sprache steckende implizite Denken (Basis für Sprachwissenschaft). Götterlisten explizierten die religiös implizierten Ordnungskriterien, die den Mythen zugrunde liegen und erzeugten damit eine distanzierte, methodische Herangehensweise (Basis für Religionswissenschaft).

Erst die differenzierte und methodische Betrachtung ermöglichte Reflexion, welche oft ein Umdenken und Veränderung erzeugten. Durch das philosophische Denken der antiken Griechen entwickelte sich die differenzierte Reflexion weiter.

Im weiteren …