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Vom moralischen Dualismus zum ethischen Monismus


"moralischer Dualismus" bezeichnet das InGroup-OutGroup-Denken, in dem den eigenen mit Moral begegnet wird und den Anderen oft mit Gewalt.

Soziobiologe Eckart Voland (geb. 1949):
"Je empathischer, kooperativer und altruistischer Gruppen nach innen hin strukturiert sind, desto militanter, feindseliger und grausamer treten sie in der Regel nach außen auf."

Michael Schmidt-Salomon:
"Trotz alledem ... (sind) wir dem ... nicht hoffnungslos ausgeliefert. Denn es kommt ... darauf an, ob dieser moralische Dualismus kulturell verstärkt oder gebrochen wird, d.h. ob uns vermittelt wird "die anderen" seien bloß "niedere Tiere" oder gar "Agenten finsterer Mächte" (religiös oder politisch!), oder ob man uns beibringt, in ihnen - (den "anderen") - Spiegelbilder unserer Selbst zu sehen, mit Hoffnungen, Träumen, Wünschen, die sich von den unsrigen nicht groß unterscheiden."

Die Normen des Zusammenlebens sind Epikur (341 - 271 v.u.Z.) zufolge nicht objektiv vorgegeben, sondern müssen von den Individuen unter Berücksichtigung der jeweiligen Interessen ausgehandelt werden. "An sich" existierte Gerechtigkeit nicht, denn sie ist eine "Abmachung", die unter bestimmten historischen Voraussetzungen geschlossen wird und somit auch geändert werden muss, wenn sie unter neuen gesellschaftlichen Bedingungen "kein (Allgemein-)Nutzen mehr bringt".

Konnektive Strukturen
Jede Kultur bildet etwas aus, das man ihre konnektive Struktur nennen könnte. Sie wirkt verknüpfend und verbindend (...). Sie bindet den Menschen an den Mitmenschen dadurch, dass sie als "symbolische Sinnwelt" einen gemeinsamen Erfahrungs-, Erwartungs- und Handlungsraum bildet, der durch seine bindende und verbindliche Kraft Vertrauen und Orientierung stiftet. ... Sie binden aber auch das Gestern an das Heute, indem sie die prägenden Erfahrungen und Erinnerungen formt und gegenwärtig hält, indem sie in einem fortschreitenden Gegenwartshorizont Bilder und Geschichten einer anderen Zeit einschließt und dadurch Hoffnung und Erinnerung stiftet. ... Beide Aspekte: der normative und der narrative, der Aspekt der Weisung und der Aspekt der Erzählung, fundieren Zugehörigkeit oder Identität, ermöglichen dem Einzelnen, "wir" sagen zu können. Was einzelne Individuen zu einem solchen Wir zusammenbindet, ist die konnektive Struktur eines gemeinsamen Wissens und Selbstbildes, das sich zum einen auf die Bindung an gemeinsame Regeln und Werte, zum anderen auf die Erinnerung an eine gemeinsam bewohnte Vergangenheit stützt.
Bei dem selbsterstellten Selbstbild einer sozialen Gruppe wird die Differenz nach außen hin betont, die nach innen dagegen heruntergespielt. ... Derartige Gruppen jedoch streben nach Dauerhaftigkeit und tendiert dazu, Wandlungen möglichst auszublenden und die Geschichte als veränderungslos wahrzunehmen.
(Jan Assmann)


Transkulturalismus
"Die innere Transkulturalität der Individuen befähigt diese nun zugleich, mit der äußeren Transkulturalität besser zurecht zukommen. Denn ein Individuum, in dessen Identität eine ganze Reihe kultureller Muster Eingang gefunden hat, besitzt bezüglich der Vielzahl kultureller Praktiken und Manifestationen, die sich in seiner gesellschaftlichen Umwelt finden, größere Anschlusschancen, als wenn die eigene Identität nur durch ein einziges Muster bestimmt wäre. Man kann an mehr Phänomenen Interesse finden, mit einer größeren Anzahl sich verbinden - die plug-in-Rate ist höher. Das betrifft natürlich auch die direkte Kommunikation von Individuum zu Individuum. Denn aus je mehr Elementen die kulturelle Identität eines Individuums zusammen gesetzt ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass eine Schnittmenge mit der Identität anderer Individuen besteht, und von daher können solche Individuen bei aller sonstigen Unterschiedlichkeit in weit höherem Maß als früher in Austausch und Kommunikation eintreten,sie können bestehende Gemeinsamkeiten entdecken und neue entwickeln, sie werden in der Begegnung mit "Fremdem" eher in der Lage sein, statt einer Haltung der Abwehr Praktiken der Kommunikation entwickeln. Darin liegt einer der großen Vorteile des Übergangs zu Transkulturalität."
(aus Wolfgang Welsch - "Was ist eigentlich Transkulturalität?")


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