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Islam - Rechtsschulen und theologische Strömungen


Sunniten, Shiiten ... Wahhabiten, Sufis ... Athariyya, Mutazilla ... Hurufiyya ... was ist das?

Rechtsschulen (Madhahib) des sunnitischen Islams:...
- Hanafiten i.d.R. theologische Strömung Maturidiyya
- Schafiiten i.d.R. theologische Strömung Ascharyya
- Hanbaliten (Wahhabiten) i.d.R. theologische Strömung Athari
- Malikiten
- Zahiriya, nicht mehr praktiziert, Tendenz: Wahabiya oder Salafiya



Rechtsschulen des schiitischen Islams:
- Dschafariya ( Imamiten oder Zwölferschiiten)
- Zaiditen (u.a. Fünfer-Schiiten) i.d.R. theologische Strömung Mutazila
- Ismailitisch (Fatimiden)

Rechtsschule der Charidschiten
- Ibaditen (weder sunnitisch noch schiitisch)

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theologische Strömungen:
1. Die Aschariyya ist eine Schule der sunnitisch-islamischen Theologie, die auf den basrischen Gelehrten Abu l-Hasan al-Asch´ari+ (ca. 874-936) zurückgeführt wird. Die Aschariyya wird in den ascharitischen Quellen meist als ein Mittelweg zwischen dem Rationalismus der Mutazila und dem Traditionalismus der Hanbaliten beschrieben.

2. Die Athariyya ist eine theologische Schule der Sunniten, welche später meistens von Hanbaliten vertreten wird. (-> Haqiqa - Auslegung ?)

3. Die Maturidiyya oder Maturidi-Schule ist eine theologische Richtung des sunnitischen Islam, die sowohl in ihrer Methodologie als auch ihren theologischen Anschauungen dem Asch'arismus ähnelt.

4. Mutazila war eine hauptsächlich in Basra und Bagdad vertretene theologische Strömung des Islam, die ihre Blütezeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert erlebte, stark von der griechischen Philosophie beeinflusst war

-> Madsch z - Auslegung
Ein Gegensatz zwischen übertragener Bedeutung (Madsch z) und eigentlicher Bedeutung (Haqiqa) eines Textes wurde wahrscheinlich zum ersten Mal im 9. Jahrhundert in den Kreisen der Mutaziliten konstruiert.

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Eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen den Glaubenstheologien (Maturidi und Aschari) auf einer Seite und den Athari auf anderer Seite bestehen darin, wie man mit den Versen im Koran umgehen soll, in denen sich Gott (Allah) scheinbar mit menschlichen Eigenschaften (Attributen) beschreibt, wie die Hand (Yad), das „sich Erheben auf den Thron“ (al-istiwa) oder das Sehen (al-basar).

Die Qadiriyya ist eine historische theologische Strömung des Islams, die für ihre Lehre vom Freien Willen bekannt ist. In den islamischen Quellen ist die Verwendung des Begriffs allerdings nicht eindeutig. Sunnitische Autoren, die selbst eine deterministische Ausrichtung hatten, benutzten den Namen für alle Vertreter nicht-deterministischer Lehren und wandten ihn dementsprechend auch auf die Mutazila an.

Der Name Qadiriyya war also immer abwertend und wurde nie als Selbstbezeichnung verwendet.Die Dschabriten , Anhänger der Prädestinationslehre, sind eine historische theologische Strömung des Islams, die von ihren Gegnern - den für ihre Lehre vom Freien Willen bekannten Qadariten - gern als “Leute des blinden Zwanges” genannt werden, da sie jegliche Willensfreiheit des Menschen leugnen. Sie waren durch und durch Deterministen.

Aus Sicht der Mutaziliten sind die Anhänger der Aschariten den Dschabriten, d.h. den fatalistischen Opponenten der Lehre der Qadariten und somit dem Antiqadarismus (Determinismus), zuzuordnen. Der führende Vertreter dieser fatalistischen Lehre des Anti-Qadarismus (Determinismus) war Dschahm bin Safwan (gest. um 746).

Die rationalistische Methode, welche die Kalam-Gelehrten (Mutaziliten) eingeführt hatten, betrachteten einige sunnitische Hauptvertreter als Häresie. Zu den bekanntesten dieser Vertreter zählt Ahmad ibn Hanbal (gest. 855). 833 wurde gegen sie eine Inquisition (arabisch Mihna) eingeführt. (wiki)

Der Gegensatz Madschz-Haqiqa - oder: der Unterschied zwischen Mutaziliten und Hanibaliten (Salafisten)
Ein Gegensatz zwischen übertragener Bedeutung (Madschz) und eigentlicher Bedeutung (Haqiqa) eines Textes wurde wahrscheinlich zum ersten Mal im 9. Jahrhundert in den Kreisen der Mutaziliten konstruiert.
Beispielsweise wenn das Wort ''Hand'' im Satz:"Da ist eine Hand über jegliche Hand!"meint in der Bedeutung:"Es existiert eine Macht (Allah swt.), die über jegliche Macht ist!"Somit wird das Wort "Hand" hierbei als Madschz (Metapher) verwendet.

Solch ein Gebrauch ist in jeder literarischen Arbeit zu finden und trägt zur Schönheit des Schreibstils bei. Der Koran, in seinem unnachahmlichen, einzigartigen und ausgezeichneten Stil, greift an vielen Stellen zu solch einem Gebrauch. Der Grund für die "Schönheit" der Texte im Koran ist also ihre Metaphorik!

Zur Spaltung des Mondes:
Interessant ist, das fast jede islamische Flagge zwei deutliche Kennzeichen der ursprünglichen mystischen Erfahrung zeigt: Halbmond und Stern. Sterne und Mond sind Merkmale der ersten inneren Ebene, der "Astralebene".
Von Mohammed heißt es bezeichnenderweise, das er den Mond "entzwei geschnitten" habe, den inneren Kosmos also durchquert hat, um auf eine höhere geistige Stufe zu gelangen. Also aus spiritueller Sicht zum "Meister der Meister" zu werden)

Die Vorstellung, dass Gott im Koran in übertragener Bedeutung spricht, also auf Madschz zurückgreift, wurde später auch von Theologen und Rechtstheoretikern anderer Lehrrichtungen übernommen.

Ibn Taimiyya (Anhänger der hanbalitischen Rechtsschule) lehnte die metaphorische Auslegung der göttliche Attribute ab. Seine Gegner denunzierten ihn deswegen als Anthropomorphisten, da er – ihrer Ansicht nach – behauptete, dass Gott Menschengestalt habe. Er verteidigte daher die wörtliche Auslegung des Thrones Gottes, der sieben Himmel, des Donnerengels und ähnlicher Dinge.

Ibn Taimiyya betrachtete die Alawiten als Abtrünnige (Murtadd), die gemäß islamischen Rechtes mit der Todesstrafe geahndet werden müssten. Die syrischen Muslimbrüder griffen bei ihrer Auseinandersetzung mit dem von den Alawiten getragenen Baath-Regime auf Ibn Taimiyyas Verurteilung dieser Religionsgemeinschaft zurück.

Die sufistische Lehre von der Einheit des Seins (wahdat al-wudschkd) lehnte er ab, da sie die Gültigkeit der Scharia in Frage stelle.

Ahmad Amin (muslimischer Gelehrter Anfang des. 20. Jh.) beurteilt die langfristige geschichtliche Entwicklung wie folgt: "Die Zurückweisung der Mutazila war das größte Unglück, das die Muslime traf. Sie haben damit ein Verbrechen gegen sich selbst verübt"
Zu den muslimischen Gelehrten der Moderne, die versucht haben, Konzepte der Mutazila wiederzubeleben, gehören Nasr Hamid Abu Zaid in Ägypten und Harun Nasution in Indonesien.


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- Amina Wadud, eine Professorin der Islamwissenschaften und gläubige Muslima. Sie ist dafür, dass auch weibliche Imame das Gebet in gemischtgeschlechtlichen Gruppen anführen dürfen.

- Muhammad Abduh (Urvater der Salafiyya, aber nicht der Wahhabitischen Richtung, sondern einer "modernen" Salafiyya, wollte westliche Moderne und Islam nicht nur vereinen, sondern war der Meinung, dass sämtliche positiven Werte des Westens auch islamische seien, die unter Muhammad praktiziert wurden) oder auch sein Lehrer: Jamal ad-Din al-Afghani

- Sayyid/Syed Ahmad Khan (Gründer der Aligarh-School; sieht Wissenschaft und Glaube als eine Einheit, da Gott wahr ist und nicht widerlegt werden kann, muss der Glaube mit dem Verstand der Wissenschaft begriffen werden; Begründer der These, dass Jihad nur dann Pflicht ist, wenn die Muslime an der Ausübung der religiösen Pflichten gehindert werden)

- Muhammad Iqbal (mehr Philosoph und Mystiker als klasisscher Gelehrter, wird von der isl. Welt aber gerne "Allama" (~höchster Gelehrter) genannt - deutet koranische Botschaft sehr mysthisch und metaphorisch, sieht in Himmel und Hölle Metaphern und tritt ein für die "Wiederbelebung des islamischen Denkens" in der islamischen Welt)

- Ibn Arabi (mehr Philosoph und Mystiker als klasisscher Gelehrter, hat sehr, sehr kreative philosophische Herangehensweisen an islamische Dogmen, die er sehr stark mystisch deutet; sehr weise Worte und Interpretationen über die Weisheit der Propheten und anderes)


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Sufismus
Die Lehre von der „Einheit des Seins“ (wahdat al-wujud) liegt dem System von Ibn Arabi zugrunde. Gott ist darin der einzige, der wirklich existiert in seiner unauslöschlichen Transzendenz. Er braucht die Schöpfung, damit sie ihm als Spiegel diene, auf dass er sich erkennen kann. (sozusagen das Diesseits als Quelle, aus der Gott seine Selbstreflexion zieht). Diese Lehre ist weder direkt pantheistisch, noch rein monistisch.
Eine zweite Lehre von Ibn Arabi befasst sich mit dem vollkommenen Menschen (al-insan al-kamil). Darin ist der Mensch der Mikrokosmos und das Universum der Makrokosmos. Als Gipfel der Schöpfung ist der Mensch im Spiegel der Schöpfung das wahrhaft klare Abbild des Göttlichen, das den trügerischen Schleier zu durchdringen vermag, der die Schöpfung ebenso wirklich erscheinen lässt, wie ihren Schöpfer selbst


Hurufismus
abgeleitet von: huruf - Buchstabe

Ursprünglich entstand der Hurufismus am Kaspischen Meer und hat insbesondere Bezug zum Koran und den Prophetenüberlieferungen. Stark geprägt bzw. gegründet wurde der Hurufismus durch Fazlollah Astarabadi (1340-1394) in Nord-Iran. Die Lehre wich aber so stark von der Interpretation der Mehrheitsmuslime ab, das alle hurufistischen Führer 50 Jahre später hingerichtet wurden, inkl. I.Nesimi´s.

Dabei ging es – wie auch heute – um den Gegensatz zwischen einer auf Liebe, Intuition, Volksnähe und dem Wert des Menschen beruhende (humanistische) Religiösität einerseits, oder einer auf starrer Schriftlichkeit, Gesetzesreligion, Macht und dem Postulat einer transzendentalen Göttlichkeit aufbauender Form von Religiösität. Die Antwort steht noch heute aus. Nesimis und der Hurufismus verstanden sich selbst als islamisch, im Sinne einer auf Liebe, Intuition, Volksnähe und dem Wert des Menschen beruhende Religiösität – wurden im Verständnis der anderen Muslime jedoch nicht islamisch betrachtet.

Die Lehre des Hurufismus besagt, dass das Bart- und Kopfhaar des Menschen bestimmte Linien bildet, deren Anzahl auf das Vierfache von Sieben festgelegt ist (28). Dies ist zugleich die Zahl der Buchstaben im arabischen Alphabet, mit dem der Koran geschrieben wurde.
Durch Syllogismus folgert man daraus, dass die Linien auf dem Gesicht mathematisch den Buchstaben des Korans („Gottes Wort“) entsprechen, womit der Koran im Gesicht des Menschen geschrieben steht – womit der Mensch Gott ist.

Die hurufistische Erkenntnis daraus ist, das Allah kein transzendentales und in seinem Wesen und Wirken ungreifbares wesen ist, sondern dass er sich dem Menschen offenbart – hier und heute.
Die „Einzigkeit des Seins“ (pers.: vahdat-e vogud), bzw. die „Einheit des Seins“ (wahdat al-wujud) ist eine im 13. und 14. Jhr. im turkoiranischen Raum außerordentlich populäre mystische Philosophie, welche die Einheit von Mensch und Gott lehrt. Zu den führenden Vertretern gehörten Ibn al´Arabi (1165-1240), Mevlana Rumi (1207-1273) und Imadeddin Nesimi (1370-1417)

aus: "Ins Absolute schwand ich hin, mit Gott bin ich zu Gott geworden" - Imaddedin Nesimi


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Ahmadiyya zu Sufismus:
http://www.ahmadiyya.de/fileadmin/user_upload/bibliothek/mushtaq_ahmad_bajwa-sufitum_im_islam.pdf

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