Direkt zum Hauptbereich

Abiogenese - chemische Evolution

Die "chemische Evolution" oder "Abiogenese" stellt die Erstentstehung von Leben auf der Erde dar.
Übergang physisch-kosmische Evolution zu chemischer Evolution
Als "Protoplanet" entstand die Erde vor etwa 5 Milliarden Jahren, aber ihre eigentliche Existenz begann vor 4,55 Milliarden Jahren mit den letzten großen Einschlägen, bei denen sich auch der Mond bildete. Vor 4,4 Milliarden Jahren war die Erde soweit abgekühlt, dass sich flüssiges Wasser auf ihr halten konnte. Und auch die ersten Organismen tauchen dann vor etwa 4 Milliarden Jahren auf der Erde auf.
Die sogenannte "1.Atmosphäre" ging aus einem gewaltigen Hochofenprozess hervor, der zu einer Reduktion von Eisen- und Nickeloxiden führte. Die reduzierten Metalle sanken in die Tiefe und bildeten den Erdkern. Dabei verminderte sich der reduzierende Charakter der Atmosphäre: Methan und Ammoniak wurden oxidiert. Daraus kann man schließen, das die erste Atmosphäre nicht, wie zunächst vermutet, aus Methan und Ammoniak, sondern aus Stickstoff, Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid bestand.

chemische Evolution
1. Abiotische Synthese und Akkumulation organischer Moleküle, darunter die späteren Biomonomere wie Aminosäuren und Nucleotide
2. Verknüpfung dieser Monomere zu polymeren Makromolekülen, darunter Proteine und Necleinsäure
3. Entstehung selbst repizierender Moleküle, die eine Vererbung von Eigenschaften zuließen (RNA)
4. Verpackung all dieser Moleküle in "Protobionten", d.h. membranumhüllte Versikel, deren Inneres andere chemische Eigenschaften aufwies als ihre Umgebung

Vorläufer der lebenden Zelle = Protobionten -> bilden sich durch Aggregation von abiotisch entstandenen Makromolekülen und waren nicht zur exakten Reproduktion im Stande. Jedoch bildeten sie einen von der Umgebung abgeschlossenen, chemischen Reaktionsraum (Versikel).

RNA-Welt
RNA-Moleküle polymerisierten in den Protobionten Aminosäure und Enzyme die innerhalb des Protobionten für verschiedene Reaktionen, einschließlich der Replikation von RNA genutzt wurden.
Wie durch zyklische Reaktionsfolge zwischen präbiotischen Nucleinsäuren und Proteinen replikative Systeme entstanden und damit chemische Evolution in eine biologische überging, beschreibt der Hyperzyklus von Manfred Eigen. Von da ab erfolgte Evolution dann im darwinistischen Sinn.

Hyperzyklus
Wurde von M.Eigen als erstes evolutionsfähiges Replikationssystem postuliert. Im einfachen Hyperzyklus finden RNA-Moleküle zusammen, die sich in gegenseitiger Wechselwirkung aus einer Substratlösung hervorbringen und "vermehren". Dabei koppeln sich entweder zwei oder mehrere selbstreproduzierende RNA-Stränge (Ribozyme) oder aber Ribozyme und Enzyme zu einem stabilen Autozyklus, der sich selbst unterhält und replizeirt.

Die ersten Lebewesen waren Prokaryoten, d.h. sie waren einzellig und mikroskopisch klein. Die ersten Prokaryoten waren (Cyano-)Bakterien, die Photosynthese betrieben.
Photosynthese

Die einzigen photosynthetisch aktiven Prokaryoten, die Sauerstoff freisetzen, sind die Cyanobakterien (Blaualgen), eine Organismengruppe die vor 3,5 bis 2,7 Milliarden Jahren entstand.
Vor 2,4 bis 2 Milliarden Jahren stieg der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre rapide an, aber erst vor dem Kambruim (550 Mio. Jahren) näherte sich die Sauerstoffkonzentration den heutigen Werten an und überstieg diese zeitweilig im Devon (400 Mio. Jahre) sogar deutlich.

Entstehung Eukaryoten
1. ursprünglicher Prokaryot mit sich entfaltender Plasmamembran, DNA und Cytoplasma
2. es entstand eine Zelle mit Kern und innerem Membransystem
3. ein aerober, heterotropher Prokaryot wurde aufgenommen, was dem Entstehen von Mitochondrien entspricht.

In den 1950-iger Jahren simulierte der Chemiker S.L.Miller die hypothetischen atmosphärischen Bedingungen, die auf der Urerde vor rund 4 Milliarden Jahren geherrscht haben könnten und erschuf in seinem "Ursuppen-Experiment" eine bedeutsame Menge organischer Substanzen wie Aminosäuren.
Fast alle biologisch wichtigen Aminosäuren, Lipide, Nucleinbasen und Zucker konnten bis heute in den Ursuppen-Experimenten der Folgegenerationen nachgewiesen werden.

u.a aus: Martin Neukamm: "Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus"


-------------------------------------

Australien: Dieses Gestein lieferte einen wichtigen Hinweis auf mikrobielles Leben auf dem Land. Wissenschaftler vermuten nun, dass sich das Leben vor 3,48 Milliarden Jahren gebildet hat  in Tümpeln heißer Quellen und nicht in den Ozeanen.
http://www.businessinsider.de/der-ursprung-des-lebens-liegt-vermutlich-in-heissen-quellen-2017-5

3,48 Mrd. Jahre alte Fossilien legen nahe: Erstes Landleben entstand um heiße Quellen
https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/landleben-entstand-um-heisse-quellen20170510/


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ashera & Jahwe

   Der hebräische Begriff Ašerā (ugaritisch aṯrt, wohl als Aṯirat, semitischen aṯr "heiliger Ort") erscheint 40 mal im Alten Testament, aber die Unterscheidung zwischen Göttern und ihren Kultobjekte waren nicht genau definiert. In einigen altbabylonischen Götterlisten wird Ashera als eine von Amurru's Ehefrauen aufgelistet. Im hethitischen Mythos von Elkunirsa, wird die Frau des Gottes Elkunirsa "Asertum" genannt. In den Texten von Ugarit, ist Göttin Atrt (Atiratu) die Frau von El, dem höchsten Gott des Ugaritischen Pantheons. Einige Gelehrte haben vorgeschlagen, dass Asherah auch in Jer 7,18 und 44,17-19 unter dem Beinamen "Königin des Himmels" zu finden ist, aber eine Identifikation mit den Astralgottheiten Ishtar oder Astarte ist wahrscheinlicher (Olyan 1987). Einige fragmentarische Inschriften, die Asherah erwähnen fanden sich in Kuntillet Ajrud. Darüber hinaus bestätigt eine Schrift von Khirbet el-Kom (10 km südöstlich von Lachish) die Ass...

Sinn und Funktion von Religion

"Die Wahrheit einer Religion liegt nicht da, wo sie die Gläubigen vermuten" (Emile Durkheim) Menschliche Konstrukte und/oder kirchliche Dogmen können uns angesichts der Sinnlosigkeit des Daseins helfen, die unendliche Komplexität der Welt auf ein menschlich handhabbares Maß zu reduzieren. (sinngemäß Niklas Luhmann) "Da sich alle Gläubigen in jeweils ihrem Glaube, in ihrer Religion wohl fühlen, gleich, welche spezifischen Merkmale diese Religion hat, muss es etwas anderes als dieses Merkmal sein, was sie zufrieden stellt" Es ist das genetisch verankerte Bedürfnis nach Sicherheit in jedem Menschen, das (auch) durch Religion befriedigt wird. (Dieter Brandt) -------- Definitionsversuche des Begriffes "Religion" - Der substanzialistische Religionsbegriff bezieht sich auf inhaltliche Merkmale von Religion, da die Definition vom Wesen der Religion abgeleitet wird und die wesentlichen Merkmale von Religion charakterisiert werden sollen. Er begreift Reli...

Bibel vs. altorientalische Texte

Psalm 74.13-14 13 Du hast das Meer aufgewühlt durch deine Kraft, zerschmettert die Köpfe der Drachen über den Wassern. 14 Du hast die Köpfe des Leviatan zerschlagen und ihn zum Fraß gegeben dem wilden Getier. (Lutherbibel 2017) 13 Du zertrennst das Meer durch dein Kraft und zerbrichst die Köpfe der Drachen im Wasser. 14 Du zerschlägst die Köpfe der Walfische und gibst sie zur Speise dem Volk in der Einöde. (Luther 1912) 13 Du teiltest das Meer durch deine Kraft, zerschlugst die Köpfe der Krokodile am Wasser; 14 du zerbrachst die Köpfe des Leviatans, du gabst ihn dem Volk der Wüstenbewohner zur Speise. (Schlachter 1951) 13 Mit deiner Macht hast du das Meer gespalten, zerschmettert die Köpfe der Seeungeheuer. 14 Ja, du hast Leviatan die Köpfe zerschlagen und gabst sie den wilden Tieren zum Fraß. (Neue Evangelistische) KTU 1.3.iii Baal und Anat Schlage ich den Geliebten von EI, Yam ( Meer ) mit Sicherheit? Rotte ich Nahar (Fluss), den mächtigen Gott sicherlich aus? 40-45 Üb...