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Frühaufklärung und Spinozismus


Denn "Spinozismus ist Atheismus" meinte Friedrich Heinrich Jacobi als er Moses Mendelssohn schrieb, dass Gotthold Ephraim Lessing ein Spinozist sei. Atheismus aber war nicht zu dulden.

Der Pantheismus- oder Spinozastreit gehört zu den wichtigsten und einflussreichsten philosophischen Streitsachen am Beginn der jüngeren Moderne. Ausgelöst wurde der Streit durch die Schrift Friedrich Heinrich Jacobis (1743-1819) "Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn". Jacobis These besagte, dass Spinozas Philosophie der Inbegriff einer streng rationalen Philosophie sei hat und zu Atheismus und Fatalismus führe.

Ludwig Feuerbach meinte später: „Spinoza ist der Urheber der spekulativen Philosophie. Schelling ihr Wiederhersteller, Hegel ihr Vollender. Der Pantheismus ist die notwendige Konsequenz der Theologie (oder des Theismus) – die konsequente Theologie; der Atheismus die notwendige Konsequenz des ‚Pantheismus‘, der konsequente ‚Pantheismus‘.“


Als Frühaufklärung bezeichnet man die Frühphase der Aufklärung, in der das Gedankengut der Aufklärer vornehmlich durch geheime und anonyme Texte oder mündlich verbreitet wurde. Sie stellt geistesgeschichtlich den Übergang vom Zeitalter des Barock, des Absolutismus und der Glaubenskriege zum Jahrhundert der Aufklärung dar. Sie kann etwa auf den Zeitraum 1680 bis 1730 datiert werden.

Zu den Vordenkern der Aufklärung gehörten u. a. René Descartes (1596–1650), Thomas Hobbes (1588–1679) und Baruch Spinoza (1623–1677).

Zu den bedeutendsten Frühaufklärern zählen Bernard le Bovier de Fontenelle (1657–1757), Abbé de Saint-Pierre (1658–1743), Pierre Bayle (1647–1706) und Montesquieu (1689–1755), Nicolas Fréret (1688–1749), Jean-Baptiste de Mirabaud (1675–1760). 

Zu den bekanntesten Vertretern der Frühaufklärung in Deutschland zählen Christian Thomasius (1655–1728) und Christian von Wolff (1679–1754), ebenso kann Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) in seinen letzten Lebensjahren dieser Strömung zugeordnet werden. Johann Christian Edelmann (1698–1767) bekannte sich als erster deutscher Gelehrter zum Spinozismus.

Einer der radikalsten Vertreter der Aufklärungsphilosophie in dieser Zeit in Frankreich war der atheistische Pfarrer Jean Meslier (1664–1729).


Vordenker

Uriel da Costa (1585-1640) war ein Religionsphilosoph, Theologiekritiker und Freidenker. Seine Autobiographie enthält eine der frühesten gedruckten Verteidigungen des Deismus.
Seine Eltern waren Enkel portugiesischer Juden, die im Jahr 1497 zur Konversion zum Katholizismus gezwungen worden waren. Um 1611 legte Gabriel da Costa sein Kirchenamt nieder. Um 1614 kehrte er öffentlich zum Judentum zurück. 1616 verbreitete er eine Liste von elf jüdischen Vorschriften, in denen er eine Verfälschung der biblischen Gesetze erblickte, worauf das Rabbinat in Venedig Costa als Ketzer verurteilte. Er kam zu dem Schluss, dass die Vorstellung von einer unsterblichen Seele unbiblisch sei: Die Seele des Menschen sei eine physikalische Lebenskraft in seinem Blut und gehe beim Tod zugrunde. Dies war der erste öffentliche Angriff auf die jüdisch-christliche Glaubenslehre vom Leben nach dem Tod. Costa´s Schrift wurde verbrannt, er wurde inhaftiert und später verbannt. Er gelangte zu der Überzeugung, dass alle Religionen, die christliche, die jüdische und auch die der Bibel, nichts weiter als Menschenwerk seien. Sie könnten von Gott keine wahre Kenntnis vermitteln, begünstigten im Gegenteil Lüge und Hass. Die Menschen würden erst dann glücklich und friedlich miteinander leben können, wenn sie die Religionen aufgäben und nur der Vernunft und der Natur folgten. Um seiner Vereinsamung zu entfliehen spiegelte er 1639 erneut eine Rückkehr zum jüdischen Glauben vor. Er erklärte sich bereit, sich der Geißelung zu unterwerfen, die das rabbinische Recht als Bußritual vorschreibt. 39 Geißelhiebe auf den entblößten Oberkörper musste er über sich ergehen lassen und sich anschließend auf die Schwelle des Gotteshauses hinlegen, damit alle Anwesenden über ihn hinwegschreiten konnten. Wenige Tage später, im April 1640, erschoss er sich mit einer Pistole.
Uriel da Costas Rebellion nimmt um vierzig Jahre die des Philosophen Baruch Spinoza vorweg, dessen Familie mit der seinen verschwägert war. Seine Leiden als Freidenker in einer religiösen Welt ließen ihn als einen Märtyrer der Aufklärung erscheinen. 


René Descartes (1596-1650) gilt als der Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus, den Baruch de Spinoza, Nicolas Malebranche und Gottfried Wilhelm Leibniz kritisch-konstruktiv weitergeführt haben. Von ihm stammt das berühmte Dictum „cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich.“). 1663 wurden die Schriften Descartes’ vom Heiligen Stuhl verboten und ihm wurde vorgeworfen, dass er bei seinen naturwissenschaftlichen Studien keinen Raum für Gott gelassen habe. Dennoch war er ein Vertreter des Geist-Körper-Dualismus und versuchte in seinen Schriften auch die Existenz Gottes zu beweisen. Er meinte, dass die eigene Vorstellung von Gott weit vollkommener sei als die eigene Vollkommenheit und Realität und man daraus schließen könnte, dass Gott existiere. Den Grund, warum der Mensch dennoch in seinem Urteil zu fehlerhaften Schlüssen kommen kann, sieht Descartes darin, dass die gottgegebene Wahlfreiheit des Menschen sich auch auf Dinge erstreckt, über die er urteilt, obwohl sein Verstand sie nicht klar einsieht. Descartes hat die Philosophie bis in die Gegenwart hinein stark beeinflusst, und zwar vorwiegend dadurch, dass er Klarheit und Differenziertheit des Denkens zur Maxime erhob.


Thomas Hobbes (1588-1679) wurde durch sein Hauptwerk Leviathan bekannt, gilt als Begründer des „aufgeklärten Absolutismus“ und ist er neben John Locke und Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Theoretiker des Gesellschaftsvertrags. Hobbes verneint konsequent die Freiheit des Willens, ebenso wie die Existenz universell verbindlicher Moralstandards, denn mittels menschlicher Wahrnehmung sei keine gesicherte Erkenntnis über die Welt möglich, auf das Feld der Ethik. Den Einwand von René Descartes, dass infolge der eingreifenden Güte Gottes die Wahrnehmung trotzdem weitgehend der Realität entspreche, lässt Hobbes nicht gelten, wenngleich auch Descartes die Existenz universell verbindlicher Moralstandards ablehnte. Hobes nimmt damit auch in Bezug auf Gott eine agnostische Position ein. Obwohl ihm häufig Atheismus vorgeworfen wurde, vertrat er eher eine deistische Positionen, unterschied aber streng zwischen Glauben und Wissen.
Die Überwindung des von Furcht, Ruhmsucht und Unsicherheit geprägten gesellschaftlichen Naturzustands sieht er durch die Gründung des Staates, also der Übertragung der Macht auf einen Souverän. Dies geschieht durch einen Gesellschaftsvertrag, in dem alle Menschen unwiderruflich und freiwillig ihr Selbstbestimmungs- und Selbstverteidigungsrecht auf den Souverän übertragen, der sie im Gegenzug voreinander schützt. Im "aufgeklärten Absolutismus" wurde der Regent nicht mehr als von Gott eingesetzter Herrscher und über jedem Gesetz stehender Souverän verstanden (Gottesgnadentum), sondern als oberster Repräsentant einer vernünftigen Staatsordnung, dessen Verpflichtung es ist, dem Allgemeinwohl zu dienen. Diese Vorstellung basierte auf einem unkündbaren Gesellschaftsvertrag, der den souveränen Herrscher in der Ausübung seiner Macht legitimierte und begrenzte.


Baruch de Spinoza (1632-1677) wird dem Rationalismus zugeordnet und gilt als einer der Begründer der modernen Bibel- und Religionskritik. Gott ist für ihn die unendliche, substantiell in ihren Eigenschaften konstante, einheitliche und ewige Substanz, wobei der Kosmos bzw. das Universum selbst diese Substanz ist und es nichts außerhalb von ihr gibt. Gott ist somit in allem Seienden vorhanden ist. Es ist geläufig, diese Theorie Pantheismus zu nennen. Jedoch ist Spinozas Gott auch die Ursache aller Dinge. Gleichlautend mit Descartes konstatierte Spinoza einen Gegensatz zwischen Geist und Materie; anders als jener sah er sie jedoch nicht als zwei verschiedene Substanzen (Dualismus), sondern als verschiedene Attribute einer einzigen Substanz (Monismus). Da nach Spinoza „die Substanz“ als solche weder Intelligenz noch Willen besitzt, gibt es keine Vorsehung und keinen Heilsplan. Da der Mensch von jeher nach vollkommener Erkenntnis strebt, und da Gott vollkommen ist, muss es sein Ziel sein, eins mit Gott zu werden. Da Gott in allem ist, muss daher das Ziel des Menschen sein, eins mit der (göttlichen) Natur zu werden. Nach Spinoza sind die Schriften der Bibel nicht fehlerfrei und können nicht wortwörtlich von Gott inspiriert sein. Die Autoren (der Bibel) müssten in ihrem historischen Zusammenhang gesehen werden, man habe ihre jeweiligen Glaubensvorstellungen zu berücksichtigen. Damit wurde er zu einem der Begründer der modernen historisch-kritischen Bibelanalyse.

Das Spinoza-Konzept der "einen Substanz" wies elementare Unterschiede zu allen traditionellen Gottesbildern auf, weshalb Anhänger des spinozischen Systems besonders im 18. Jahrhundert mit hartnäckigen Atheismusvorwürfen konfrontiert wurden. Jegliche Sympathie mit den Lehren Spinozas wurde, stellvertretend für den Pantheismus per se, als Atheismus angeprangert.


https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_de_Spinoza




Vertreter der Frühaufklärung in Deutschland

Jakob Böhme (1575 - 17.11.1624 in Görlitz) war ein deutscher Mystiker, Philosoph und christlicher Theosoph. Hegel nannte ihn den „ersten deutschen Philosophen“. Vertrat ähnliche pantheistische Ansätze wie Ibn Rushd und Giordano Bruno.


Christian Thomasius (1.1.1655 (Leipzig) - 23.12.1728 (Halle/Saale)) war ein deutscher Jurist und Philosoph und wird als "Vater der deutschen Aufklärung" bezeichnet. Als Professor an der Leipziger Universität kündigte er eine Vorlesung in deutscher Sprache an (was bis dahin ausschließlich in Latein geschah). (vgl.: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)Thomasius trug durch sein Eintreten für eine humane Strafordnung im Sinne der Aufklärung wesentlich zur Abschaffung der Hexenprozesse und der Folter bei. Wohl vor allem das Studium von Pufendorfs Apologia pro se et suo libro aus dem Jahr 1674 bewirkte bei Thomasius „eine völlige Abkehr von seinen bisherigen Auffassungen […], insbesondere vom orthodoxen Naturrecht“. Im November 1701 erschien sein De crimine magiae, in dem er u.a. die Möglichkeit des Teufelsbündnisses verwarf und forderte die Abschaffung aller Hexenprozesse. Er brach mit der herkömmlichen Konzeption der Naturrechtslehre und setzte sich für eine strikte Trennung von Recht und Moral ein.
Das menschliche Wollen wird ihm zufolge triebhaft durch die Lust (voluptas), die Habgier (avaritia) und den Ehrgeiz (ambitio) bestimmt. Der Mensch ist also im Wollen nicht frei, doch es bleibt ihm der Verstand, der durch Hoffnung und Angst geleitet ist. Durch das individuelle Glücksstreben muss es seiner Meinung nach zu Kollisionen kommen. Nicht im Naturzustand, sondern nur in einer politischen Gemeinschaft könne deswegen erst Ordnung etabliert werden; einerseits durch die Unterdrückung der individuellen Leidenschaften, andererseits durch die Stärkung der Neigung zum Zusammenleben.
Zu den zentralen Leistungen von Thomasius gehören auch erste Ansätze zu einem Umbau der scholastischen Universität zu einer modernen Ausbildungsuniversität.
Thomasius musste sich einer Anklage mit dem Vorwurf des "Atheismus" erwehren.


Christian Wolff (24.1.1679 (Breslau) - 9. 4.1754 (Halle)) war einer der wichtigsten Philosophen der Aufklärung zwischen Leibniz und Kant. Der Aufklärer zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Naturrechts und gilt als eigentlicher Begründer der Begriffsjurisprudenz des 19. Jahrhunderts.
Die Werke des Konfuzius und des Menzius erklärte Wolff im Jahr 1721 zu einem Beweis für eine Ethik, die unabhängig vom christlichen Glauben über Jahrtausende eine Hochkultur geprägt hatte. Seine Gegner beschuldigten Wolff in der Folge des "Atheismus", obwohl er ein Verteidiger der Ergänzung von Vernunft und Offenbarung war. Während seine Philosophie in den 1720er und 1730er Jahren vor allem von der lutherischen Orthodoxie und von protestantisch-pietistischer Seite scharf angegriffen und unter Atheismus-Verdacht gestellt wurde, erwuchsen Wolff in den 1740er Jahren mächtige Gegner in der empiristischen englischen (Newtonianismus) und skeptizistischen (Voltaire) bis materialistischen (de La Mettrie) französischen Philosophie.
Als Rechtsgelehrter entwickelte Wolff seine Ideen auf Basis der Konzepte von Hugo Grotius und darauf aufbauend von Samuel von Pufendorf. Im Kern hatten sich die beiden Vordenker von der zivilrechtswissenschaftlichen Bindung an das römische Recht frei gemacht und auf die Suche nach einem Vernunftrecht begeben, das letztlich eine neue Disziplin säkularer Rechtswissenschaft begründen sollte. Dieser Ansätze bemächtigte sich Wolff und ordnete ein umfängliches Rechtssatzsystem an, das sich seiner Auffassung nach aus übergeordneten Dogmen herzuleiten hatte. In Abkehr zu den Auffassungen seiner Vorgänger, berief sich Wolff auf Positionen des römischen Rechts, welches er in ein Verhältnis zum naturrechtlichen Lehrsystem stellte.

Als Begriffsjurisprudenz wird die Methodenlehre der Rechtswissenschaft des mittleren und späteren 19. Jahrhunderts bezeichnet. Grundlage der Begriffsjurisprudenz ist die Anwendung logischer Methoden auf das Recht. Heute wird im Ergebnis attestiert, dass die Begriffsjurisprudenz „sorgfältige Kleinarbeit“ geleistet und dabei die bisweilen kompliziertesten und am schwierigsten zugänglichen, gleichwohl aber gründlich durchdachten Rechtsfiguren des bürgerlichen Rechts geschaffen habe.

Der Begriff Naturrecht oder überpositives Recht ist eine Bezeichnung für universell gültiges Recht, das rechtsphilosophisch, moralphilosophisch oder theologisch begründet wird und dient(e) als höchstrangige Rechtsquelle zur Legitimierung. Die säkularen rechtsphilosophischen Ausprägungen des Naturrechts, die nicht aus religiösen Grundwerten hergeleitet sind, sondern von der Erkennbarkeit durch menschliche Vernunft, werden als Vernunftrecht bezeichnet.
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland griff die naturrechtliche Tradition auf. „Das Bekenntnis zu Menschenrechten knüpft unmittelbar an Art. 1 I GG an. Weil die Würde des Menschen unantastbar und es ‚Verpflichtung aller staatlichen Gewalt‘ ist, ‚sie zu achten und zu schützen‘, darum bekennt sich das deutsche Volk zu Menschenrechten.


Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 (Leipzig) - 14.11.1716 (Hannover)) gilt als der universale Geist seiner Zeit und war einer der bedeutendsten Philosophen des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts sowie einer der wichtigsten Vordenker der Aufklärung. Leibniz formuliert früh die Maxime der Verstandesmäßigkeit der Aufklärung. Zitat: „Jeder Mensch besitzt Fähigkeiten zur vernünftigen Lebensführung.“ Wenn Religion und Vernunft übereinstimmen, entstünde eine wahrhafte Religion.
Eine Monade – der zentrale Begriff der Leibniz’schen Welterklärung – ist eine einfache, nicht ausgedehnte und daher unteilbare Substanz, die äußeren mechanischen Einwirkungen unzugänglich ist. Er vertritt eine panpsychistische Weltanschauung. Sein philosophischer "Lieblingsfeind" war Spinoza.


Johann Christian Edelmann (1698-1767) war ein deutscher Pietist, Frühaufklärer und Schriftsteller. In diesen Veröffentlichungen griff er Matthias Knutzen (* um 1646) scharf an. 1743 verfasste er die vom deistischen Gedanken getragene Schrift "Göttlichkeit der Vernunft". Er hatte engen Kontakt zu Freimaurern in Hamburg und Berlin und war womöglich in Hamburg Mitglied der „freimaurerischen Gesellschaft“.

Der Pietismus (von lateinisch pietas; „Gottesfurcht“, „Frömmigkeit“) ist nach der Reformation die wichtigste Reformbewegung im kontinentaleuropäischen Protestantismus. Theologisch versteht sich der Pietismus als eine Besinnung auf zentrale Anliegen der Reformation, bspw. den Ersatz des toten Buchstabenglaubens durch wahre Gottesfurcht und werktätige Liebe. Damit befindet sich in der pietistischen Bewegung ein frühaufklärerischer Zug.


Matthias Knutzen (1646-1674) war ein deutscher Religionskritiker. Er ist der erste namentlich bekannte Atheist in der europäischen Geistesgeschichte der Neuzeit. Er verteilte in Jena handgeschriebene Flugblätter („Scharteken“) und Schriften mit atheistischem Inhalt. Nach Knutzen gibt es keinerlei transzendente Größen wie z. B. Gott, unsterbliche Seelen oder ein Jenseits mit Lohn oder Strafe für das irdische Leben. Die Bibel sei wegen ihrer Widersprüche nicht glaubhaft. Maßstab für das Handeln der Menschen sollten die Wissenschaft, die natürliche Vernunft und das Gewissen sein. Deshalb sei auch die weltliche und kirchliche Obrigkeit überflüssig. In seinem auf lateinisch geschriebenen Brief "Amicus Amicis Amica!" fasste Knutzen sein atheistisches Credo so zusammen:
„Außerdem leugnen wir Gott, wir verachten die Autoritäten aus der [himmlischen] Höhe und wir weisen auch die Kirchen mit allen Pfarrern zurück.“


Samuel Pufendorf (1632-1694) gilt als Begründer der Vernunftrechtslehre und kritisch-konstruktiven Lehren von René Descartes und Galileo Galilei zugetan. Pufendorf ging von einem rein weltlichen Rechtsgedanken aus und verstand das Naturrecht als Erfahrungswissenschaft. Er sprach sich für religiöse Toleranz sowie für die wissenschaftliche Trennung von Theologie und Philosophie aus. Mit seiner Rechtsauffassung eines säkularen Naturrechts (Vernunftrechts) und der Befürwortung eines einheitlichen Völkerrechts nahm Pufendorf maßgeblichen Einfluss auf die deutsche, aber auch europäische Rechts- und Staatsphilosophie im 18. und 19. Jahrhundert und wurde zu einem der Wegbereiter der Aufklärung. Jedoch stimmte für ihn das Naturrecht „mit der christlichen Offenbarung überein, da beide ihren Ursprung in Gott haben.


Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (10.4.1651 - 11.10 1708 in Dresden) hatte, motiviert durch Spinoza, Anregungen zur Gründung einer Akademie und stritt dann gemeinsam mit Leibniz für die Errichtung einer Akademie der Wissenschaften in Kursachsen. Im Gegensatz zu Leibniz, der alle Societäten in einer Akademie mit universeller Ausrichtung zu versammeln suchte, favorisierte Tschirnhaus die mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen. Die Gründung einer sächsischen Akademie scheiterte aber. Er fand seinen Weg in einer Synthese der Empirie Bacons und des Rationalismus Descartes


Theodor Ludwig Lau (1670-1740) veröffentlichte deistisch-spinozistischen Ansichten, doch wurden die Bücher sehr schnell verboten.


Johann Christoph Gottsched (2.2.1700 - 12.12.1766 in Leipzig) setzte sich für eine einheitliche deutsche Nationalsprache ein und kämpfte gegen Orthodoxie und Aberglaube. Gemeinsam mit den gering geachteten Theaterleuten wollte er das Theater zu einer Bildungsstätte der Nation umgestalten. (vgl.: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)


Hermann Samuel Reimarus (22.12.1694 - 1.5.1768) war Vertreter des Deismus und Wegbereiter der Bibelkritik in der Frühzeit der Aufklärung. Sein bedeutendstes Werk war die „Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes“ – ein „antichristliches Pamphlet ungekannter Schärfe“. Jedoch wagte er nicht, es (zu Lebzeiten) zu veröffentlichen. Er war sich bewusst, dass die damalige Generation noch nicht für die bibel- und religionskritische Schrift bereit war, die sich gegen den Biblizismus und die christliche Orthodoxie wandte und letztlich in grundsätzlicher Negation des christlichen Offenbarungscharakters mündete. Nach seinem Tod gelangte Gotthold Ephraim Lessing über Reimarus’ Kinder, mit denen er befreundet war, in den Besitz einer früheren Fassung der Apologie und begann ab 1774 stückweise Auszüge aus der Schrift zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung der Reimarus-Fragmente durch Lessing unter dem Titel "Fragmente eines Wolfenbüttelschen Ungenannten" verursachte den sogenannten „Fragmentenstreit“


Gotthold Ephraim Lessing (22.1.1729 - 15.2.1781) war ein bedeutender Dichter der deutschen Aufklärung. In seinen religionsphilosophischen Schriften argumentierte Lessing gegen den Glauben an die Offenbarung und gegen das Festhalten an den „Buchstaben“ der Bibel durch die herrschende Lehrmeinung. Er glaubte, dass die menschliche Vernunft, angestoßen durch Kritik und Widerspruch, sich auch ohne die Hilfe einer göttlichen Offenbarung entwickeln werde. Um eine öffentliche Diskussion gegen die orthodoxe „Buchstabenhörigkeit“ anzuregen, veröffentlichte er in den Jahren 1774 bis 1778 sieben Fragmente eines Ungenannten, die zum so genannten Fragmentenstreit führten. Er trat zudem für Toleranz gegenüber den anderen Weltreligionen ein. Er erhielt 1778 er ein generelles Publikationsverbot für das Gebiet der Religion.


Mit dem Titel Fragmentenstreit wird die bedeutendste theologische Auseinandersetzung des 18. Jahrhunderts in Deutschland und die wohl wichtigste Kontroverse zwischen der Aufklärung und der orthodoxen lutherischen Theologie bezeichnet. Erkennbar werden die Abkehr vom Dogmatismus und die Hinwendung zur Ethik im Zeitalter der Aufklärung. Der Fragmentenstreit zeigt, dass eine kritische Betrachtung und Befragung der Bibel mit Mitteln der Vernunft und der historischen Forschung nun möglich wurde.



Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Frühaufklärung
https://de.wikipedia.org/wiki/Uriel_da_Costa
https://de.wikipedia.org/wiki/René_Descartes
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes
https://de.wikipedia.org/wiki/Aufgeklärter_Absolutismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_de_Spinoza
https://de.wikipedia.org/wiki/Spinozismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Böhme
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Thomasius
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Wolff_(Philosoph)
https://de.wikipedia.org/wiki/Begriffsjurisprudenz
https://de.wikipedia.org/wiki/Naturrecht
https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christian_Edelmann
https://de.wikipedia.org/wiki/Pietismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_von_Pufendorf
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenfried_Walther_von_Tschirnhaus
https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Ludwig_Lau
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Gottsched
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Samuel_Reimarus
https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Ephraim_Lessing
https://de.wikipedia.org/wiki/Fragmentenstreit


fortführend:
- "Radikale Frühaufklärung in Deutschland 1680–1720" von Martin Mulsow

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