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Geschichte des Atheismus



Im antiken Griechenland wurde der Atheismus-Begriff mit dem Alpha privativum gebildet
(A-theismus), er hat verschiedene altgriechische Varianten (im Sinne von ‚Gottlosigkeit‘, ‚Gottesleugnung‘ und ‚Unglaube‘).  Als Alpha privativum bezeichnet man in der griechischen Sprache das Präfix ἀ- a-, welches die Abwesenheit, Umkehrung oder Wirkungslosigkeit des Bezeichneten ausdrückt oder das zugrundeliegende Wort verneint. Die latinisierte Form ‚Atheismus‘ findet sich erstmals bei Cicero.

Die explizite Ablehnung theistischer Positionen wird teils als „theoretischer Atheismus“, und die Lebenspraxis (die sich vollzieht, als ob etwas Göttliches nicht existiert) als „praktischen Atheismus“ bezeichnet.


Materialistisch-atheistisch war die indische Schule der Charvaka, die zweifelsfrei seit dem 6./7. Jahrhundert als feste Strömung belegbar ist und mindestens bis ins 16. Jahrhundert existierte. Ihre Elemente sind Atheismus, Materialismus und Hedonismus. Erstmals im 7. Jahrhundert benutzte der Philosoph Purandara den Begriff Charvaka als Bezeichnung der Materialisten. Die Schule der Charvaka berief sich auf die heute verlorenen „Barhaspati Sutras“, welche wahrscheinlich in der Maurya-Periode zwischen 320 und 180 v.u.Z. geschrieben wurde. Die Charvaka-Philosophen legten Wert auf Freiheit des Denkens, Wahrheit und Logik. Sie lehnten Theologie und Metaphysik ohne Basis in der Beobachtung ab und das man aus der Erfahrung heraus nicht auf Götter, ein postmortales Leben oder Karma schließen kann. Auch das auf der Idee der Wiedergeburt fußende Kastensystem lehnten sie ab, da alle menschlichen Körper gleich aufgebaut sind.

Dharmakirti, ein vom Charvaka beeinflusster Philosoph des 7. Jahrhunderts, nannte in seinem Buch Pramanvartik fünf irrationale Handlungsweisen: Glaube an die Heiligkeit der Veden, Glaube an einen Schöpfergott, Baden in heiligen Gewässern als Verdienst, Kastenstolz, Buße für Sünden. (Die letzten drei Handlungen stehen in Zusammenhang mit Karma und Reinkarnation.)


Materialistisch und vorwiegend atheistisch war die spätestens seit dem 5. Jahrhundert existierende Strömung der „Zandiks“ oder „Dahri“ aus dem Zurvanismus heraus. In Quellen der frühislamischen Zeit ist mit dem Ausdruck zandik eine strikt materialistische Strömung gemeint. Schon in vorislamischer Zeit scheint sich diese Bewegung oft unter dem Namen dahri auch im arabischen Raum verbreitet zu haben. Die Dahris verneinten die Existenz alles Spirituellen und folgerichtig auch den zoroastrischen Gut-Böse-Dualismus, die Schöpfung durch Ahura Mazda, das Weltende im Jüngsten Gericht und das Leben nach dem Tod. Doch vollkommen religionslos waren sie offenbar nur zum Teil, denn sie glaubten an die Unendlichkeit der Zeit, womit sie die Schöpfung und das Weltende ablehnen konnten, ebenso wie eine selbstständig handelnde Gottheit, womit sie dann womöglich ein unpersönliches, nichtgöttliches Weltprinzip gebildet haben.

Der sunnitische Theologe Al-Ghazali meinte:
Die .. Dahris, ist eine der ältesten Sekten. Sie verneinen die Existenz eines Schöpfers und Lenkers, der allwissend und allmächtig ist. Sie denken, dass die Welt immer aus sich selbst existierte, wie sie (nun) ist, und dass Tiere immer und immer wieder nur aus dem Schoß von Tieren kamen.


Um die Strukturen der Wirklichkeit zu erklären, kamen bspw. für Demokrit ( 459-370 v.u.Z.) oder Epikur nur materielle Prinzipien in Betracht, so dass ein transzendenter, insb. geistiger Gott weder verwendet wurde, noch einen Ort oder eine Funktion in dieser Erklärung bekommen konnte. Die Kritik an den etablierten Gottesvorstellungen bezog sich vor allem auf unangemessen menschliche Vorstellungsweisen (Anthropomorphismus). Derart anthropomorphe Gottesvorstellungen, so der Tenor dieser Kritik, sind nichts anderes sind als eben nur menschliche Vorstellungen. Kritias (460-403 v.u.Z.) betrachtete die Religion als menschliche Erfindung, die jedoch der Aufrechterhaltung der moralischen Ordnung dienen sollte. Skeptizistische und agnostische Positionen, wie sie die Sophisten und Sokrates (469-399 v.u.Z.) vertraten, fanden eine zunehmende Verbreitung.

Gottlosigkeit und Frevel an Göttern wurden im alten Athen unter dem Begriff Asebeia teilweise auch strafrechtlich verfolgt. Einige der Angeklagten vertraten in den überlieferten Asebie-Prozessen nicht nur eine agnostische, sondern eine dezidiert atheistische Position (Diagoras "der Athesit" von Melos, Theodoros "der Gottlose" von Kyrene). Gegen die wegen ihrer Schönheit bewunderte Phryne ist ein Asebie-Prozess überliefert, demzufolge ihr die Aktmodell-Arbeit für eine Aphrodite-Statue als ein Frevel gegen die Götter ausgelegt wurde. Der Kyniker Diogenes (ca.400-325 v.u.Z.) konnte seinen Spott über Götter, Mysterien, Vorsehung und Aberglauben in Athen verbreiten, ohne dass man ihm den Prozess machte. In der Lehre des Kynismus, die sich auf ein „Zurück zur Natur“ bezog, verwarf man die Metaphysik als ebenso sinnlos wie Platons Ideenlehre. Sie betrachteten die Ethik als einzigen Leitfaden und die Natur als einzig wahres Vorbild. Aristoteles (384-322 v.u.Z.) führte die Denker seiner Zeit von den Höhen der platonischen Visionen in die fruchtbaren Niederungen der Erfahrungswissenschaft. Die aristotelische Philosophie verneint die Schöpfung und die Unsterblichkeit der Seele.

Bei Epikur (341-271 v.u.Z.) verschwinden die Götter in vom menschlichen Dasein gesonderten Welten und haben keinerlei Wirkungsmacht über die Menschen und ihr Treiben. Es handelt sich getreu dem rein materialistischen Weltbild Epikurs auch bei den Göttern um atomar konstituierte Wesen. Allerdings empfahl Epikur als der eigenen Seelenruhe dienlich, sich den staatlich vorgeschriebenen Kulten und religiösen Bräuchen flexibel anzupassen.
Der von Lukrez (ca. 94- 55 v.u.Z.) in Rom hymnisch verbreitete Epikureismus, in dessen Zentrum ein asketisch unterlegtes Lust- und Glücksstreben steht, stellt sich mit der vollständigen Abscheidung der Götter als eine im Grunde konsequent atheistische Morallehre dar.

Ciceros (106-43 v.u.Z) Untersuchung über die Natur der Götter (De natura deorum) mündete in Skepsis: „Bestimmt wird selbst diejenigen, die darüber etwas zu wissen glauben, die so große Uneinigkeit der gelehrtesten Männer in dieser wichtigen Frage zu gewissen Zweifeln zwingen.“


Der Averroismus ist eine auf den arabischen Philosophen Averroës (Ibn Ruschd) zurückgehende Richtung in der europäischen Philosophie des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, die als eine Strömung innerhalb des Aristotelismus gilt. Ein Vertreter dieser Lehre war Boetius von Dacien (gestorben um 1284) der für die strikte Trennung von rational erfassbarer Wahrheit und Glaubenswahrheiten eintrat. Er hielt er die Schöpfung aus dem Nichts für ebenso unmöglich wie die Auferstehung der Toten und die Nichtewigkeit der Welt. Ein anderer Vertreter, Siger von Brabant (1240-1284), ging noch weiter und bestritt zahlreiche zentrale christliche Dogmen. Boetius von Dacien und Siger von Brabant gelten somit auch als Vertreter des "theoretischen Atheismus".


Das anonyme lateinische Werk De tribus impostoribus (deutsch: „Über die drei Betrüger“) ist ein von Mythen umranktes religionskritisches Werk. Die drei Religionsstifter Moses, Jesus und Mohammed werden dabei als Betrüger dargestellt; der Vorwurf des Betruges zielt auf vorgebliche Offenbarungen und Taschenspielertricks (scheinbare Wunder). Die erste Erwähnung findet sich 1239 in einem Brief Papst Gregors IX., in dem er Kaiser Friedrich II. ein solches Werk zuschreibt. Laut Tommaso Campanella erschien die erste Ausgabe 1538, und auch andere Zeugen erklärten, das Buch schon vor 1598 gelesen zu haben (und natürlich wollen sie dieses gotteslästerliche Werk verbrannt haben). Der anonyme Verfasser des Buches De tribus impostoribus wurde möglicherweise angeregt durch Maimonides, der in seinem Brief Jesus, Paulus und Mohammed als drei Betrüger bezeichnet. Im Hintergrund stehen dabei Theorien islamischer Freidenker des 9. und 10. Jahrhunderts. Dazu zählt das Buch der siebten Erreichung (Kitâb as-sijâsa oder Kitâb al-balâg as-sâbi), das angeblich aus dem Umkreis der Qarmaten stammte. Erstmals erwähnt wurde dieses Werk kurz nach 983. Darin wurden die Gebote von Judentum, Christentum und Islam für aufgehoben erklärt sowie die Grundlagen aller drei Offenbarungsreligionen gleichermaßen angezweifelt: Es gebe weder Sünde noch ein Leben nach dem Tod.
Als Autoren des bzw. eines Traktats De tribus impostoribus wurden seit dem Mittelalter viele Menschen verdächtigt. Zu den Bekanntesten gehören: Kaiser Friedrich II., Abu Tahir Al-Djannabi (907–944, Herrscher des Qarmaten-Staates in Bahrain), Erasmus von Rotterdam, Matthias Knutzen, Giordano Bruno, Paul Henri Thiry d’Holbach und Baruch Spinoza.
-> "Über die drei Betrüger"


Matthias Knutzen (1646-1674) war ein deutscher Religionskritiker. Er ist der erste namentlich bekannte Atheist in der europäischen Geistesgeschichte der Neuzeit. Er verteilte in Jena handgeschriebene Flugblätter („Scharteken“) und Schriften mit atheistischem Inhalt. Nach Knutzen gibt es keinerlei transzendente Größen wie z. B. Gott, unsterbliche Seelen oder ein Jenseits mit Lohn oder Strafe für das irdische Leben. Die Bibel sei wegen ihrer Widersprüche nicht glaubhaft. Maßstab für das Handeln der Menschen sollten die Wissenschaft, die natürliche Vernunft und das Gewissen sein. Deshalb sei auch die weltliche und kirchliche Obrigkeit überflüssig. In seinem auf lateinisch geschriebenen Brief "Amicus Amicis Amica!" fasste Knutzen sein atheistisches Credo so zusammen:
„Außerdem leugnen wir Gott, wir verachten die Autoritäten aus der [himmlischen] Höhe und wir weisen auch die Kirchen mit allen Pfarrern zurück.“


1674 hatte der polnische Philosoph Kazimierz Łyszczyński in seinem Werk "De non existentia Dei" (dt. Über die Nichtexistenz Gottes) postuliert, Gott sei lediglich eine von Menschen erdachte Chimäre und Religion sei nur ein Mittel zur Unterdrückung der Bevölkerung.


Das früheste Zeugnis eines dezidierten Atheismus in der Neuzeit findet sich im Theophrastus redivivus, der Schrift eines anonymen französischen Autors aus dem Jahr 1659. Die Existenz Gottes wird darin zwar bestritten, die gesellschaftliche Nützlichkeit der Religion hingegen behauptet. Gianni Paganini, ein moderner akademischer Philosoph bestimmt den Rang des Werks in der Philosophiegeschichte wie folgt: „Es präsentiert als erstes modernes Werk ein atheistisches System und eine Religionskritik, die die bisherige Weltanschauung auf fundamentale Weise angreift.“


Als erster radikaler Atheist der Neuzeit gilt heute der französische Abbé Jean Meslier (1664–1729), der die Existenz von Göttern völlig in Abrede stellt und zu bloßen Hirngespinsten erklärt. Im Gegensatz zum Theophrastus verbindet Meslier seinen Atheismus mit einem Antiklerikalismus: Er polemisiert gegen Kirche und Krone, die er als Ausbeuter und Unterdrücker der Armen ansieht.


https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Meslier


Eine frühe öffentliche Verneinung der Existenz eines Gottes findet sich auch in dem 1770 anonym erschienenen Werk Système de la nature des Baron d’Holbach (1723–1789), einem Grundwerk des Materialismus. Holbach sah in der Religion den größten Feind der natürlichen Moral und zog gegen ontologische und kosmologische Gottesbeweise zu Felde. Das Glück des Menschen hängt nach seiner Auffassung vielmehr am Atheismus.

Denis Diderot (1713–1784) vertrat in seinen kirchen- und religionskritischen Werken zunächst eine deistische, später eine atheistische Position.

Der erste öffentlich bekannt gewordene radikale Atheist der Aufklärung war Julien Offray de La Mettrie (1709–1751). Sein philosophisches Werk Histoire naturelle de l’âme (Naturgeschichte der Seele, 1745) wurde als materialistische und atheistische Schrift vom Pariser Henker verbrannt. In seinem Werk L’homme machine (Der Mensch als Maschine, 1748) heißt es: „dass die Welt niemals glücklich sein wird, solange sie nicht atheistisch ist.“ La Mettrie blieb nicht bei der Negation Gottes stehen, sondern skizzierte in seinem Discours sur le bonheur (Rede über das Glück, 1748) eine geradezu modern anmutende psycho(patho)logische Theorie des Religiösen.



Bis weit ins 18. Jahrhundert war der Vorwurf, ‚Atheist‘ zu sein, in der Regel eine gefährliche Fremdzuschreibung. In Preußen war es die aufklärerische Haltung Friedrichs des Großen (1740: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“), in anderen Ländern die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in der Französischen Revolution (1789) und die amerikanische Bill of Rights (1789), die zu einer Akzeptanz diverser atheistischer Standpunkte führten. Der französische Philosoph und Aufklärer Julien Offray de La Mettrie konnte 1748 seine atheistische Philosophie nur außerhalb Frankreichs, im preußischen Exil, öffentlich vertreten.



Ludwig Feuerbachs (1804-1872) Theorie der Religionskritik wurde später und wird heute in Verbindung mit dem Begriff „religiöser Anthropomorphismus“ bzw. „Anthropozentrismus“ oder unter dem Schlagwort „Projektionstheorie“ diskutiert. Schlagwortartig mag man sie unter folgenden Mottos zusammenfassen:
„Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.“ bzw.: „Der Mensch ist dem Menschen ein Gott.“


Karl Marx (1818-1883) übernimmt die Projektionstheorie Feuerbachs. Auch für ihn ist die Welt der Religion keine ontologische Kategorie, sondern gehört in den Bereich menschlicher Tätigkeiten. Auch für ihn reflektiert Religion ein Bedürfnis, und auch für ihn ist Religion die Widerspiegelung einer Wirklichkeit und nichts Transzendentes. Nach Marx’ Ideologiekritik spiegeln sich in der Religion nicht nur unerfüllte abstrakte Bedürfnisse wider, sondern auch das konkrete, durch die gesamte menschliche Geschichte ziehende, gesellschaftliche Elend und Unrecht.


Friedrich Nietzsche (1844–1900) nannte Gott „eine viel zu extreme Hypothese“. Die christliche Gottesvorstellung hielt er für widerlegt und überholt:
„Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebniss, noch weniger als Ereigniss: er versteht sich bei mir aus Instinkt. Ich bin zu neugierig, zu fragwürdig, zu übermüthig, um mir eine faustgrobe Antwort gefallen zu lassen. Gott ist eine faustgrobe Antwort, eine Undelicatesse gegen uns Denker –, im Grunde sogar bloss ein faustgrobes Verbot an uns: ihr sollt nicht denken!“
– Friedrich Nietzsche: Ecce homo, Warum ich so klug bin


Sigmund Freud (1856-1939), der Begründer der Psychoanalyse, hat mehrmals in einer naturgeschichtlichen Deutung die Entstehung von Religionen als die Erfüllung unbewusster, auch unterdrückter Wünsche des Menschen zu erklären versucht.


Der US-amerikanische Physiker Victor Stenger (1935-2014) ist der Auffassung, dass für die Gotteshypothese nicht nur empirische Belege fehlen, sondern dass sich auch die oftmals Göttern zugeschriebenen Eigenschaften anhand naturwissenschaftlicher Erkenntnisse anfechten lassen. So seien die Schöpfung von Lebewesen durch die Evolutionstheorie, Körper-Seele-Dualismus und Unsterblichkeit durch Neurologie, die Wirkung von Gebeten durch Doppelblindstudien, die Schöpfung des Universums durch thermodynamische sowie quantenphysikalische Überlegungen und göttliche Offenbarungen durch die Geschichtswissenschaft widerlegt worden. Das Universum verhalte sich genau so, wie es in Abwesenheit eines Gottes zu erwarten sei.


Die US-Amerikaner Sam Harris, Daniel C. Dennett und der Brite Richard Dawkins, sowie auch Christopher Hitchens und Victor J. Stenger werden zu den "neuen Atheisten" gezählt, ebenso wie der Franzose Michel Onfray, der Deutsche Michael Schmidt-Salomon.





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https://de.wikipedia.org/wiki/Atheismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Charvaka
https://de.wikipedia.org/wiki/Zurvanismus#Zandiks_und_Dahris
https://de.wikipedia.org/wiki/Kynismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Epikureismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Aristotelismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Averroismus
https://de.wikipedia.org/wiki/De_tribus_impostoribus
https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Knutzen_(Theologe)
https://de.wikipedia.org/wiki/Theophrastus_redivivus

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