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Freidenker und Säkularismus

Säkularismus bezeichnet eine Weltanschauung, die sich auf die Immanenz und Verweltlichung der Gesellschaft beschränkt und auf darüber hinausgehende, religiöse Fragen verzichtet. Sie erwächst aus zwei Prozessen: zum einen aus der Säkularisierung, also dem mentalen Prozess der Entflechtung oder Trennung zwischen Religion und Staat, zum anderen aus der Säkularisation, dem konkreten Prozess der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen. Der Begriff wurde von dem Theologen Friedrich Gogarten (1887–1967) geprägt


Der Begriff Freidenker hat seinen Ursprung in der englischen und französischen Aufklärung. Das Wort geht auf einen Brief des englischen Philosophen und Naturwissenschaftlers William Molyneux vom 6. April 1697 an den Begründer der englischen Aufklärung John Locke zurück. Die deutsche Übertragung von Freethinker zu Freidenker, die 1715 durch Gottfried Wilhelm Leibniz erfolgte, verband sich im Laufe des 18. Jahrhunderts mit dem schon bekannten Begriff Freigeist.


In dem 1881 in Frankfurt am Main gegründeten Deutschen Freidenkerbund versammeln sich diejenigen innerhalb der im 19. Jahrhundert entstandenen freireligiösen und freigeistigen Bewegung, die sich explizit als Atheisten verstehen. Gründungsmitglieder waren unter anderem Ludwig Büchner und Wilhelm Liebknecht. Der Deutsche Freidenker-Verband e. V. (DFV) ist eine Weltanschauungsgemeinschaft eines Teiles deutscher Freidenker und Mitglied der Weltunion der Freidenker mit Sitz in Paris. Seine Mitglieder fördern und verbreiten nach dessen Satzung „eine nichtreligiöse, rational begründete Weltsicht, die sich auf ein Denken frei von Vorurteilen, Dogmen und Tabus stützt und sich an wissenschaftlich begründeter Erkenntnis orientiert.“ Sie fühlen sich „tätiger Humanität verpflichtet.“ (Satzung des DFV). Der DFV versteht sich somit als religionsunabhängig und als Vertreter nichtreligiöser Menschen und vertritt ethische Grundsätze wie Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Gewaltverzicht. Die Vorgängervereine kamen aus der Tradition der Feuerbestattungsvereine und standen der Arbeiterbewegung nahe.

Der Deutsche Monistenbund war eine freidenkerische Organisation des frühen 20. Jahrhunderts. Sie wurde 1906 in Jena federführend von dem Naturwissenschaftler Ernst Haeckel gegründet. Ziel des Bundes war die Organisation und Verbreitung einer monistischen Weltanschauung. Ernst Haeckel entwarf auf naturwissenschaftlicher Grundlage die Weltanschauung des Entwicklungs-Monismus. Kern dieser Richtung ist die volle Einordnung des Menschen in die Natur, ein Atheismus oder ein Natur und Gott gleichsetzender Pantheismus und schließlich der Verzicht auf jeden Offenbarungs- und Wunderglauben. Die Grundausrichtung des Deutschen Monistenbundes war internationalistisch und pazifistisch. Mit dem Monistenbund entstand mit Unterstützung freidenkerischer Verbände eine neue freigeistige Bewegung, die einen betont philosophisch-naturwissenschaftlichen Bildungscharakter hatte. Die Zielrichtung des Monistenbundes kommt im Gründungsaufruf zum Ausdruck:

„Tausende und Abertausende finden keine Befriedigung mehr in der alten, durch Tradition oder Herkommen geheiligten Weltanschauung; sie suchen nach einer neuen, auf naturwissenschaftlicher Grundlage ruhenden einheitlichen Weltanschauung.“

Am 29. Dezember 1910 erklärte der Naturwissenschaftler und Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald in einem Brief an Ernst Haeckel seine Bereitschaft, den Vorsitz des Monistenbundes zu übernehmen. Vor allem durch das Engagement Wilhelm Ostwalds richtete sich die Tätigkeit des Monistenbundes nicht zuletzt gegen die Kirchen. Das „Komitee konfessionslos“ des Bundes unterstützte die „Kirchenaustrittsbewegung“ und betrieb antiklerikale Aufklärungsarbeit. Der Monistenbund beteiligte sich 1907 an der Gründung des Weimarer Kartells. Hierin fanden sich mehrere freidenkerische und freigeistige Organisationen zusammen.



Wilhelm Ostwald
(Quelle: Wikipedia)


Zweck des Weimarer Kartells waren die „freie Entwicklung des geistigen Lebens und Abwehr aller Unterdrückung“, die Trennung von Schule und Kirche und die vollständige Verweltlichung des Staates (Trennung von Staat und Kirche, Laizismus). Hieran beteiligten sich der Deutsche Freidenker-Verband, der Monistenbund, die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur (1892 gegründet), der Bund für weltliche Schule und Moralunterricht, der Deutsche Bund für Mutterschutz und Sexualreform der Frauenrechtlerin Helene Stöcker sowie einige weitere kleinere Verbände.

Von den Nationalsozialisten wurden in Deutschland ab 1933 unterschiedslos alle Freidenkerorganisationen verboten. Der Deutsche Monistenbund wurde am 16. Dezember 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich zahlreiche Gruppierungen neu. Der erste Verband auf Länderebene war in Hamburg der Deutsche Freidenker-Verband (DFV). Das Gründungsdatum wurde absichtlich auf den 24. Dezember 1945 gelegt. Seit 1952 ist der DFV Mitglied der Weltunion der Freidenker mit Sitz in Paris.
Die DDR-Freidenker wurden erst am 7. Juni 1989 gegründet.

1991 fusionierte der Deutsche Freidenker-Verband (DDR) mit dem DFV in Braunschweig. Seitdem setzt sich der Deutsche Freidenker-Verband zunehmend mit politischen Fragen auseinander und tritt für Gerechtigkeit, Frieden sowie für soziales, humanes und ökologisches Handeln ein. 


Im Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) mit Sitz in Berlin haben sich verschiedene freigeistige Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften aus Deutschland zusammengeschlossen. Allgemein versteht sich der DFW als Interessenvertretung kirchenfreier Menschen. Hauptziele sind der Zusammenschluss aller freireligiösen und freigeistigen deutschen Verbände, eine stärkere Trennung von Kirche und Staat und die Einführung des integrativen Werteunterrichts an den staatlichen Schulen, der an die Stelle des bisherigen Religionsunterrichts treten soll. Er steht für Humanismus, Toleranz und Menschenrechte, für ein friedliches und solidarisches Zusammenleben der Menschen unabhängig von ihren religiösen, weltanschaulichen und politischen Anschauungen. Der DFW ging 1991 aus dem Deutschen Volksbund für Geistesfreiheit (DVfG) hervor, der am 8. Oktober 1949 in Wiesbaden gegründet wurde. Dem Namen nach, nicht jedoch strukturell und funktional, knüpfte der Volksbund an den 1925 gegründeten Volksbund für Geistesfreiheit an; er sieht sich in den Traditionen des „Weimarer Kartells“ und der „Reichsarbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände der deutschen Republik“. 


Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) ist ein eingetragener Verein zur Förderung und Verbreitung einer weltlich-humanistischen Weltanschauung und zur Interessenvertretung von konfessionslosen Menschen in Deutschland. Der heutige Verband wurde am 14. Januar 1993 in Berlin durch den Zusammenschluss von freidenkerischen, freireligiösen und humanistisch orientierten Vereinigungen gegründet. Ein Teil der im DFV und dem kurzlebigen Freidenker-Verband der DDR organisierten Mitglieder schloss sich dem Humanistischen Verband Deutschlands an.


Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. (IBKA) ist ein Interessenverband konfessionsloser und sogenannter zwangskonfessionalisierter Menschen. Der IBKA ging aus dem 1972 gegründeten Berliner Bund der Konfessionslosen hervor. 1976 wurde in Berlin der Internationale Bund der Konfessionslosen gegründet; dieser erhielt 1982 die heutige Bezeichnung.


Die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) ist eine 2004 gegründete, gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die sich als Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus zum Ziel gesetzt hat, Grundzüge eines naturalistischen Weltbildes sowie einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik/Politik zu entwickeln und öffentlich zugänglich zu machen.


Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) e.V. ist ein Dachverband säkularer Organisationen in Deutschland, der sich als Interessenvertretung der Konfessionsfreien in Deutschland versteht. Der Verein ging aus einer informellen Sichtungskommission hervor, die im Jahr 2000 vom Kulturwissenschaftler Horst Groschopp ins Leben gerufen worden war. Die Gründung als Zusammenschluss säkularer Verbände erfolgte im November 2008. Gründungspräsident war Frieder Otto Wolf, sein Stellvertreter Carsten Frerk. Gründungsmitglieder waren unter anderem:
Deutscher Freidenker-Verband (DFV), Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW),
Humanistischer Verband Deutschlands (HVD), Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), Giordano-Bruno-Stiftung (gbs)




https://de.wikipedia.org/wiki/Säkularismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Freidenker
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Freidenker-Verband

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Monistenbund
https://de.wikipedia.org/wiki/Monismus#In_Natur_und_Gesellschaft
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Ostwald
https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Kartell

https://de.wikipedia.org/wiki/Dachverband_freier_Weltanschauungsgemeinschaften
https://de.wikipedia.org/wiki/Humanistischer_Verband_Deutschlands
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Bund_der_Konfessionslosen_und_Atheisten
https://de.wikipedia.org/wiki/Giordano-Bruno-Stiftung
https://de.wikipedia.org/wiki/Koordinierungsrat_säkularer_Organisationen


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