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altorientalisch-alttestamentarischer Vergleich


Die Israeliten haben bis ins 8. Jhr. v.u.Z. hinein genau wie Phönizier, Kanaanitäer, Araber usw. die Gottheit auf oder bei besonderen Felsen, unter Bäumen, auf Bergen, an Quellen und vor Höhlen verehrt (Sinai, Zion, Höhen von Gibeon, hl. Baum von Sichem, hl. Brunnen von Beersaba). (E.S.)

Vergleich zeigen sich im kanaanitäischen Raum:
Ba´al-Hadad: „Herr Donner“, syro.-phönik. Sturm- u. Wettergott mit Wohnsitz auf Berg Sapan (> Ba´al-Sapon)

oder auch beim sumerischen du6-kù, dem "heiligen Hügel"

Genau wie für Phönizier und Kanaanitäer ist auch für Israel die einfachste Art des Altars der herbeigerollte, bzw. aufgerichtete Stein (vgl. 1.Sam.14,33), auch hier hat man den heiligen Baum durch eine Holzsäule - Aschera genannt (?) - ersetzt. Wie bei den Mohabitern hat man transportable Feuerherde Gottes, Ariel genannt, gefertigt. Versinnbildlichte man Jahwe im Bilde, so wählte man das im Alten Orient weit verbreitete Motiv des Stieres. (E.S.)

Die Bundeslade lässt sich vergleichen, mit den Kisten aus dem Osiris- und Tammuzkult, sowie mit der babylonischen parak simati, einer bei der Prozession Marduk´s herumgetragenen Monsteranz, welche die Schicksalstafeln enthielt. In Jer.3,16 ff. wird die Bundeslade als Thron Jahwes verstanden, was an kastenförmige Thronsitze erinnert, wie man sie bspw. bei Darstellungen des Sonnengottes von Sippar findet. (E.S.)

Das Ephod (das liturgische Gewand des Hohepriesters der Israeliten) ist auch die Tracht ägyptischer Priester. Den Brustschmuck des Hohepriesters vergleicht Hommel (in "Die altisraelische Überlieferung in inschriftlicher Beleuchtung") direkt mit dem des Oberpriesters in Memphis. Die sonstige Tracht des Hohepriesters scheint auf babylonische Elemente, wie Darstellungen des Kosmos, zurückzugehen. Die Vorschriften über die Qualifikation zum Priestertum ähneln außerordentlich denen für die babylonischen Priester. (E.S.)

Auf drei Inschriften der minäischen Kolonie el Ola in N-Arabien (6./5. Jhr. v.u.Z.) fand man die Worte lawi bzw. lawi´at (hebräisch für Priester/Priesterin). (E.S.)

Die Enthaltung von Wein, als Gegensatz zur kanaanitäischen Kultur, findet eine Parallele durch eine Weihinschrift von Palmyra an den Gott, der keinen Wein trinkt. (vgl. Lagrange)

Nabi ("Prophet") geht offensichtlich auf babylonisch nabu (den Verkünder des göttlichen Willens) zurück. (E.S.)

Wie alle altorientalischen Religionen kennt auch die alttestamentarische heilige Zeiten, wie Mondfeste und mit der Sonne zusammen hängende Jahresfeste, sowie Feier des Neumondes, welche neben Sabbat genannt wird und in Zusammenhang mit dem Wechsel der vier Mondphasen steht. Babylonisch sabbatum = Tag der Beruhigung der Götter (E.S.)

Der "Fund" des Deuteronomium zur Zeit König Josia´s findet eine auffallende Parallele bei Thutmes III., der die "goldene Regel" beim Umbau eines Heiligtums gefunden haben will. (E.S.)

vgl. dazu Israel Finkelstein:
Während der Regierungszeit Josia´s (Enkel von Manasse) kommt das "JHVH-allein"-Lager wieder zu mehr Macht. Nach dem Sturz seines Vater´s Amon, kommt Josia mit 8 Jahren auf den Thron, als Nachkomme David´s in 16. Generation.
Um 622 v.u.Z. "entdeckte" man die Urschrift des Deuteronomium und bewirkt eine Revolution im Ritual und eine vollständige Neuformulierung der israelitischen Identität: die ausschließliche Verehrung eines Gottes (JHVH) an einem Ort.


Im biblischen Schöpfungsbericht, wie auch im babylonischen Enuma Elish, steht der Beginn der Schöpfung das Urmeer, welches in zwei Hälften geteilt wird, während dazwischen die Feste liegt - jener aus dem hebräischen übersetzte Begriff, der in sprachlichen Zusammenhang mit babylonisch tiamat bzw. tamtu zu stehen scheint. (E.S.)

Die Dreiteilung des Alls in Himmel, Erde und Tehon (Ex.20,4; Dent.33,15 ff.; Ps.135,6 ... "Tiefen") ist dem altorientalischem Verständnis entnommen, ebenso die Vorstellung von den 4 Weltecken (Ez.1), vom Götterberg (Jes.14,13; Ez.28,14; Ps.48,3), vom Weltmittelpunkt (Ez.5,5; 38,12) und von den Säulen des Himmels und der Erde (Hiob 9,6; 26,11) (E.S.)

Bspw. kennen wir die "Säulen des Himmels und der Erde" vom dem Zikkurat, welches des babylonischen Reichsgott Marduk gewidmete ist: É.TEMEN.AN.KI; Haus der Fundamente von Himmel und Erde) (vgl. wiki)

In altorientalischen Religionen ist in ganz spezieller Weise der Gedanke ausgeprägt, dass der stamm, eine Stadt oder ein Volk in besonders nahem Verhältnis zu einem bestimmten Gott steht. Dies zeigt sich auch in hebräisch-biblischen Ausdrücken, wonach die Götter "Herren" oder "Könige" der betreffenden Völker sind (Ex.20,2; Deut.33,5; Hos.2,18).

Die Volksangehörigen sind "Knechte" (vgl. Jes. "Gottesknecht"), die betreffenden Länder sind ihr "Haus" (Hos.8,1; 3,15). Aber die Götter sind auch "Väter" der betreffenden Völker und die Volksangehörigen somit die Söhne und Töchter der Götter (Hos.11,1; Deut.14,1; Num.21,29; Jer.2,27) (E.S.)

Umgestaltete altorientalische Mythen finden wir in Gen.1-11 und bei Richt.13-16 (E.S.)

Stellenweise fast buchstäbliche Übereinstimmung einzelner Lieder im Hiob mit dem ägyptischen "Gespräch eines Lebensmüden mit seiner Seele"


Quelle:
Ernst Sellin: "Die alttestamentarische Religion im Rahmen der anderen altorientalen" (1908)




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