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Gottesdefinitionen

Der Wortstamm von Gott ist sehr alt, nur im germanischen Sprachraum anzutreffen und außerhalb unbekannt. Bezeichnungen sind mittel- und althochdeutsch got, gotisch guþ, englisch god und schwedisch gud. Die Germanen verehrten nachweislich seit der Eisenzeit den urgermanischen Himmelsgott Teiwaz. Der Name geht zurück auf die indogermanische Form für den „Gott“, *deiwos. Hierbei handelt es sich um eine bereits urindogermanische Vrddhi-Ableitung zum Wort *djew- „Himmel“.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gott#Indogermanischer_Ursprung



1. monotheistischer Gott
Er ist Schöpfer der Welt und wirkt auf diese aus der Transzendenz heraus. Er ist ein persönlicher Gott, da er persönlich für Gebete offen ist, persönliche Offenbarungen bringt und auch einen persönlichen Platz neben ihm im Paradies verspricht.
(Judentum, Christentum, Islam ...)

2. polytheistischer Gott
Gehört einem meist hierarchisch gegliederten Götter-Pantheon an, wirkt im immanenten (diesseitigen) Bereich. Auch die polytheistischen Götter sind persönlich, da Gebete und persönliche Opfer an sie gerichtet werden.

2.1. henotheistischer Gott
Bezeichnet den höchsten Gott, was jedoch im Unterschied zum Monotheismus der abrahamitischen Religionen die Verehrung anderer untergeordneter Götter nicht prinzipiell ausschließt. Neben dem Begriff des Henotheismus wird „Monolatrie“ mit gleicher Bedeutung verwendet.

3. deistischer Gott
Dieser erschuf die Welt, nahm fortan aber keinen Einfluss mehr auf sie, er ist nicht persönlich, da weder Gebete noch Opfer an ihn gerichtet werden, er sich nicht einzelnen Menschen offenbart und auch kein Paradies bietet. Auch als Gott aus Vernunftsgründen (statt Offenbarungsgründen) bezeichnet

4. pantheistischer Gott
Dieser Gott ist "Alles". Er steht nicht transzendent außerhalb der Welt und ist nicht unterschieden von der Erde und dem Leben. Er ist kein persönlicher Gott (keine Gebete, Opfer, Offenbarungen oder Paradiesversprechen). Der pantheistische Gott ist auch der Gott Spinozas. Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts wurde diese Auffassung der Identität von Gott und Natur als Pantheismus bezeichnet.

4.1. kosmotheistischer Gott
Während sich das Göttliche für den Pantheisten in der Vielfalt der Welt einmalig und einzigartig ausdrückt, ist die Welt für den Kosmotheisten nur eine Erscheinungsform des göttlichen Seins, neben der es noch andere geben könnte. Die Welt selbst spielt aber eine zentrale Rolle als ordnende und schöpfende Kraft. Sie ist nicht der willentliche Akt eines Schöpfergottes. Die Trennung von Natürlichem und Übernatürlichem besteht nicht (Monismus)

4.2. panentheistischer Gott
Gott und Welt sind hier nicht identisch, bilden aber eine Art Symbiose. Der Panentheismus steht so in der Mitte zwischen Pantheismus (Immanenz Gottes in der Welt) und Theismus (Transzendenz Gottes zur Welt).
Vertreter: Plotin, Meister Eckhart, Goethe, Herder

4.3. pandeistischer Gott
kombiniert Pantheismus und Deismus indem Gott das Universum geschaffen hat, jetzt eins mit ihm ist, und deshalb kein separates bewusstes Wesen darstellt

Abgrenzung Deismus-Pandeismus-Pantheismus-Panentheismus
Während der Deismus eine völlige Trennung von Gott und Welt postuliert, nimmt der Pandeismus an, dass Gott und Welt nach der Schöpfung eine Einheit bilden, und im Unterschied zum Pantheismus postuliert der Pandeimus einen Schöpfungsakt. Der Panentheismus dagegen repräsentiert die Vorstellung, dass die Welt ein Teil einer sich entwickelnden Gottheit sei – also immanent und transzendent – und damit auch von Gott abhängig wäre, während der Pandeismus nur Immanenz und keine Transzendenz annimmt und damit die Unabhängigkeit von Gott.

5. Dema-Gott
Ist menschen-, tier- oder pflanzengestaltig, wird von Menschen getötet, zerstückelt und begraben. Aus den "Leichenteilen" entstehen die Nahrungspflanzen, vor allem die Knollenpflanzen und Palmen. Obwohl diese vor allem auch als Kulturheros auftretenden Gottheiten – ähnliche Vorstellungen von Kulturheroen gibt es ja auch im pazifischen Raum und in Afrika – nicht bei allen einfachen Pflanzervölkern auftreten, ist die Vorstellung, dass aus Töten Leben entsteht, vor allem in einfachen Pflanzerkulturen zu finden

6. Funktionalistischer/hermeneutischer Gott
Ein Symbol wirkt wie eine Gottheit auf die Menschen. Man glaubt an das Symbol, opfert ihm sein ganzes Leben, seine Menschlichkeit. Die kultgerechte Verehrung und Opferung an das Symbol bringt das Heil, regelt alle gesellschaftlichen Prozesse und erhält dadurch reale kollektiv basierte Macht. Es wird aber nicht als Gottheit angesehen, auch wenn es auf mythischen Glauben beruht. Ein solcher funktionalistischer Gott ist symbolische, übertragbare, sammelbare Schuld - auch Geld genannt.

7. Mythomotorischer Gott
Es ist auch ein funktionalistischer Gott, der aber bewusst als solcher psychodynamisch tiefenpsychologische Prozesse und Motivationssteuerung symbolisiert und dadurch formt. Er ist wie ein Placebo, von dem man weiß, dass es nur ein Placebo ist, aber es trotzdem funktioniert. Der mythomotorische Gott symbolisiert das Vertrauen in das Gelingen des eigenen und gemeinsamen Weges, das Streben nach ethischer Perfektion, das spirituelle Erden mit dem Dasein und die Kontrolle und Dekonstruktion des Egos. Er ist kein Gott, der als reale Wesenheit existiert, sondern ist der kollektive Prozess menschlicher Sinn- und Wegsuche.

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