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Geschichte der Aufklärung



Was ist Aufklärung? Wer sind die Aufklärer? Wie lauten ihre Theorien?
Mhm, ein sehr weitreichendes Thema.

(Ich würde hier gern, Eure Hilfe mit einbeziehend, dieser Theamtik einen ausführlichen thread zukommen lassen. Insbesondere geht es mir dabei um geschichtliche oder gegenwärtige Personen der Aufklärung, ihre geschichtliche Einordnung und ihre thematischen Inhalte, um einen allgemeinen Überblick darüber greifbar zu haben.Persönlichen Kommentaren dazu, würde ich der Übersichtlichkeit wegen, ggf. gern einen eigenständigen thread zukommen lassen.)
> Aufklärer


Aufklärung steht im alltäglichen Sprachgebrauch für das Bestreben, durch den Erwerb neuen Wissens Unklarheiten zu beseitigen, Fragen zu beantworten, Irrtümer zu beheben. Historisch versteht man darunter vor allem politische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in Europa und Nordamerika seit den Religionskriegen, deren Errungenschaften bereits im 18. Jahrhundert als epochal gewürdigt wurden – man sprach und spricht in verschiedenen Bereichen der Geschichtsschreibung von einem Zeitalter der Aufklärung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung


Als Aufklärer werden Personen der europäischen und nordamerikanischen Geistesgeschichte im Zeitalter der Aufklärung bezeichnet, die das Denken mit den Mitteln der Vernunft von Vorurteilen und Aberglauben zu befreien suchten. Sie bemühten sich um die Entwicklung von Wissenschaft und Bildung als Basis eines technischen, kulturellen und politischen Fortschritts und begründeten ihre Auffassung, der freie Bürger könne, eigenständig denkend, nur an Verfassung und Recht gebunden, sein Leben selbst bestimmen. Nicht alle Vordenker der Aufklärung teilten diesen verbreiteten Kultur- und Geschichtsoptimismus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Vordenker_der_Aufkl%C3%A4rung


Die philosophes (französisch für Philosophen) waren zunächst eine Gruppe französischer Intellektueller im Zeitalter der Aufklärung. Der Begriff wurde später auch auf Protagonisten der Aufklärung anderer Herkunft ausgedehnt, seine exakte Abgrenzung, auch im Hinblick auf die Abgrenzung zur Gruppe der Philosophen, ist jedoch umstritten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophes


Als Frühaufklärung bezeichnet man die Frühphase der Aufklärung, in der das Gedankengut der Aufklärer vornehmlich durch geheime und anonyme Texte verbreitet wurde sowie mündlich in exklusiven "cercles de pensées". Einer ihrer radikalsten Vertreter in Frankreich war der atheistische Pfarrer Jean Meslier.Zu den bedeutendsten Frühaufklärern zählen Bernard le Bovier de Fontenelle, Abbé de Saint-Pierre, Pierre Bayle und Montesquieu. Als weitere Frühaufklärer sind zu nennen: Nicolas Fréret, Jean-Baptiste de Mirabaud, César Chesneau Du Marsais oder André Francois Boureau-Deslandes.Zu den bekanntesten Vertretern der Frühaufklärung in Deutschland zählen Christian Thomasius und Christian von Wolff. Johann Christian Edelmann bekannte sich als erster deutscher Gelehrter zum Spinozismus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChaufkl%C3%A4rung


Berliner Aufklärung
Die religiöse Toleranz Friedrich des Großen ließ Berlin zu einer der wichtigsten Städte der Aufklärung in Europa werden. Die Stadt wurde zu einem bedeutenden Buch- und Pressestandort, sie zog Schauspielgruppen an. Später kamen dazu: ein Nationaltheater, die Akademie der Künste und die Akademie der Wissenschaften. Überregionale Bedeutung erlangte das Zentrum der jüdischen Aufklärung Haskala durch Moses Mendelssohn.
http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Aufkl%C3%A4rung


Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt, (* 24. Januar 1712 in Berlin, Königreich Preußen; † 17.
August 1786 in Potsdam, Königreich Preußen) war ab 1740 König in und ab 1772 König von Preußen sowie Kurfürst von Brandenburg. Die von ihm gegen Österreich geführten drei Schlesischen Kriege um den Besitz Schlesiens wurden zum Auslöser des Deutschen Dualismus. Friedrichs Erfolg im letzten dieser Kriege, dem Siebenjährigen von 1756-1763, führte zur endgültigen Anerkennung Preußens als fünfte Großmacht in der europäischen Pentarchie nach Frankreich, Großbritannien, Österreich und Russland. Friedrich gilt als ein Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus. So bezeichnete er sich selbst als „Ersten Diener des Staates“.
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I...Preu%C3%9Fen%29






Moses Mendelssohn war ein deutsch-jüdischer Philosoph im Zeitalter der Aufklärung und gilt als Wegbereiter der Haskala.(> Haskala bedeutet Bildung, Aufklärung und bezeichnet insbesondere die jüdische, von Berlin ausgehende Bewegung der Aufklärung zwischen 1770 und 1880.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Haskala)
http://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Mendelssohn


Im folgenden beziehe ich mich auf:
"Was ist Aufklärung?" - Reclam-Verlag

Vorwort:
"In der Dezember-Nummer der "Berlinischen Monatsschrift" von 1783 veröffentlichte der Berliner Pfarrer Johann Friedrich Zöllner (1753-1804) einen artikel gegen die Zivilehe, für die sich ein anonymer Autor (vorher) ausgesprochen hatte. Im Interesse des staates verteidigte Zöllner die kirchliche Eheschließung und polemisierte gegen die Verwirrung, die "unter dem Namen der Aufklärung" in den Köpfen und Herzen der Menschen angerichtet werde. Dem Begriff "Aufklärung" fügte Zöllner eine Fußnote mit folgender provozierenden Frage hinzu:
"Was ist Aufklärung?"

Zuerst veröffentlichte Moses Mendelssohn (1729-1786) seinen Aufsatz "Über die Frage: was heißt aufklären? (1784)"

daraus:

"Bildung, Kultur und Aufklärung sind Modifikationen des gesellschaftlichen Lebens; Wirkungen des Fleißes und der Bemühung der Menschen, ihren geselligen Zustand zu verbessern. Je mehr der gesellschaftliche Zustand eines Volkes durch Kunst und Fleiß mit der "Bestimmung" des Menschen in Harmonie gebracht worden, desto mehr Bildung hat dieses Volk.
Bildung zerfällt in Kultur und Aufklärung. (...)

Kultur: scheint mehr auf das Praktische zu gehen: auf Güte, Feinheit und Schönheit in Handwerken, Künsten und Geselligkeitssitten (objekt.); auf Fertigkeit, Fleiß und Geschicklichkeit in jenen, Neigungen, Triebe und Gewohnheit in diesen (subjekt.). Je mehr diese bei einem Volke der Bestimmung des Menschen entsprechen, desto mehr Kultur wird dem selben beigelegt.

Aufklärung hingegen scheint sich mehr auf das Theoretische zu beziehen. Auf vernünftige Erkenntnisse (objekt.) und Fertigkeit (subjekt.). Zum vernünftigen Nachdenken über Dinge des menschl. Lebens nach Maßgebung ihrer Wichtigkeit und ihres Einflusses in die Bestimmung des Menschen.

Bestimmung des Menschen: als Maß und Ziel aller unserer Bestrebungen und Bemühungen, als ein Punkt, worauf wir unsere Augen richten müssen, wenn wir uns nicht verlieren wollen. (...)
Eine "Sprache" erlangt Aufklärung durch die Wissenschaft und erlangt Kultur durch gesellschaftlichen Umgang ... Beides zusammen gibt einer Sprache Bildung."

Aufklärung verhält sich zur Kultur wie ... Theorie zur Praxis; wie Erkenntniss zur Sittlichkeit; wie Kritik zur Virtuosität. An und für sich betrachtet (objekt.), stehen sie in dem genannten Zusammenhang, ob sie gleich subjektiv sehr oft getrennt sein können.

Ferner lässt sich die Bestimmung des Menschen einteilen in:
1.) Bestimmung des Menschen als Mensch und
2.) Bestimmung des Menschen als Bürger

In Ansehung der Kultur fallen diese Betrachtungen zusammen; indem alle praktische Vollkommenheit bloß in Beziehung des Menschen als Mitglied der Gesellschaft entsprechen zu müssen.
Der Mensch bedarf keiner Kultur: aber er bedarf Aufklärung.

Die Aufklärung, die den Menschen als Mensch interessiert, ist allgemeinhin ohne Unterschiede der Stände;
die Aufklärung des Menschen als Bürger betrachtet, modifiziert sich nach Stand und Beruf. (...)
Diesem nach würde die Aufklärung einer Nation sich verhalten
1.) wie die Masse der Erkenntnis, 2.) deren Wichtigkeit, d.i. Verhältniss zur Bestimmung a) des Menschen und b) des Bürgers, 3.) deren Verbreitung durch alle Stände, 4.) nach Maßgabe ihres Berufes; und also wäre der Grad der Volksaufklärung nach einem wenigstens vierfach zusammengesetzten Verhältniss zu bestimmen, dessen Glieder zum Teil selbst wiederum aus einfachen Verhältnisgliedern zusammengesetzt sind.

Menschenaufklärung kann mit Bürgeraufklärung in Streit kommen (welcher entstehen kann) zwischen wesentlichen oder zufälligen Bestimmungen des Menschen mit wesentlichen oder außerwesentlichen Bestimmungen des Bürgers. (...)
Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen sinkt der Mensch zum Vieh herab; ohne die außerwesentlichen ist er kein so gutes, herrliches Geschöpf. (...)
Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen als Bürger hört die Staatsverfassung auf zu sein; ohne die außerwesentlichen bleibt sie in einigen Nebenverhältnissen nicht mehr dieselbe.

Unglückselig ist der Staat, der sich gestehen muss, dass in ihm die wesentlichen Bestimmungen des Menschen mit den wesentlichen des Bürgers nicht harmonisieren, dass die Aufklärung, die dem Menschen unentbehrlich ist, sich nicht über alle Stände des Reiches ausbreiten könne, ohne das die Verfassung in Gefahr sei, zugrunde zu gehen. (...)

Aber wenn die außerwesentlichen Bestimmungen des Menschen mit den wesentlichen des Bürgers in Streit kommen, so müssen regeln festgesetzt werden, nach welchen die Ausnahmen geschehen und die Kollisionsfälle entschieden werden sollten.

Wenn die wesentlichen Bestimmungen des Menschen unglücklicherweise mit seinen außerwesentlichen Bestimmungen selbst in Gegenstreut gebracht worden sind, wenn man gewisse nützliche und den Menschen zierende Wahrheit nicht verbreiten darf, ohne die ihm nun einmal beiwohnenenden Grundsätze der Religion und Sittlichkeit niederzureißen, so wird der tugendliebende Aufklärer mit Vorsicht und Behutsamkeit verfahren und lieber das Vorurteil dulden, als die mit ihm so fest verschlungene Wahrheit zugleich mit vertreiben. Freilich ist diese Maxime von jeher Schutzwehr der Heuchlerei geworden, und wir haben ihr so manche Jahrhunderte von Barbarei und Aberglaube zu verdanken.

Sooft man das Verbrechen greifen wollte, rettete es sich ins Heiligtum.

Allein demungeachtet wird der Menschenfreund in den aufgeklärtesten Zeiten selbst noch imer auf diese Betrachtung Rücksicht nehmen müssen. Schwer, aber nicht unmöglich ist es, die Grenzlinie zu finden, die auch hier Gebrauch von Mißbrauch scheidet.

Mißbrauch der Aufklärung schwächt das moralische Gefühl, führt zu Hartsinn, Egoismus, Irreligion und Anarchie.
Mißbrauch der Kultur erzeugt Üppigkeit, Gleißnerei, Weichlichkeit, Aberglaube und Sklaverei.

Wo Aufklärung und Kultur mit gleichen Schritten fortgehen, da sind sie sich einander die besten Verwahrungsmittel wider die Korruption."



Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 ebenda) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie. Nicht nur in der Erkenntnistheorie, sondern auch in der Ethik mit dem Grundlagenwerk Kritik der praktischen Vernunft und in der Ästhetik mit der Kritik der Urteilskraft sowie bedeutenden Schriften zur Religions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie schuf Kant eine neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, welche die Diskussion bis ins 21. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kant


aus "Was ist Aufklärung?" - Reclam-Verlag:
Immanuel Kant, 1784:

" Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leistung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
> Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum so große Teile der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter majorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht ward, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.
Es ist bequem, unmündig zu sein. (...)
Dass der bei weiten größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündigkeit außerdem, dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.
Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben ... zeigten sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen ...

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen und ist vorderhand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ.

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allen, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.
... der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muss jederzeit frei sein, und der allein kann aufklärung unter Menschen zustande bringen; der Privatgebrauch der selben aber darf öfters sehr eng eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonderlich zu hindern.
(Kant versteht) unter dem öffentlichen Gebrauch seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht.
Den Privatgebrauch (nennt Kant) denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft machen darf.
(So soll der Priester zwar seines Amtes walten, aber der Gelehrte soll es öffentlich hinterfragen.)

Denn dass die Vormünder des Volkes (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheit hinausläuft.

Aber sollte ... eine Gesellschaft von Geistlichen ... eine unaufhörliche Obervormundschaft ... über das Volk führen ... (so sagt Kant) Das ist ganz unmöglich.
Ein solcher Kontrakt, der auf immer alle weitere Aufklärung vom Menschengeschlechte abzuhalten geschlossen würde, ist schlechterdings null und nichtig; und sollte er auch durch die oberste Gewalt ... bestätigt sein. Ein Zeitalter kann sich nicht verbünden und darauf verschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmöglich werden muss, seine Erkenntnisse zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen und überhaupt in der Aufklärung weiterzuschreiten. Das wäre ein verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschritt besteht; und die Nachkommen sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlüsse, als unbefugter- und frevelhafterweise genommen, zu verwerfen.

Die Menschen arbeiten sich von selbst nach und nach aus der Rohigkeit heraus, wenn man nur nicht absichtlich künstelt, um sich darin zu erhalten."






Johann Georg Hamann (* 27. August 1730 in Königsberg; † 21. Juni 1788 in Münster) war ein deutscher Philosoph und Schriftsteller. Er wurde durch ein christliches Erweckungserlebnis entscheidend geprägt. Hamann ging vom sokratischen Nichtwissen aus und deutete dies als ein Plädoyer für den Glauben. Eine höhere Einheit könne nicht durch den trennenden Verstand erfasst werden. Er kritisierte die Aufklärung und betonte, dass es Vernunft vor Sprache und Geschichte nicht geben könne. Nach Hamann beruht die Fähigkeit zu denken auf Sprache. Er gilt als ein Wegbereiter des Sturm und Drang. Goethe nannte ihn einen der hellsten Köpfe seiner Zeit.
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_Hamann


Johann Georg Hamann, ein der Wortführer gegen die Aufklärung, im Bezug auf Kant (siehe oben) in einem Brief (von 1784) an Kant´s Schüler Christian Jacob Kraus (1753-1807)

"Wie sehr ich Plato liebe und wie gern ich ihn lese wissen Sie; auch will ich mich seiner vormundschaft zur Leitung meines eigenen Verstandes, doch (cum grano salis) gefallen lassen, ohne eine Selbstverschuldung durch Mangel des Herzens zu besorgen.
...
Daher lasse ich es mir gern gefallen die Aufklärung mehr ästhetisch als dialektisch, durch das Gleichnis der Unmündigkeit und Vormundschaft, zwar nicht erklärt, doch wenigstens erläutert und erweitert zu sehen.
...
Unvermögen ist eigentlich keine Schuld, wie unser Plato selbst erkennt; und wird nur zur Schuld durch den Willen und desselben Mängel an Entschließung und Mut - oder als Folge vorgemachter Schulden.
...
Die Unmündigkeit ist also nicht weiter selbst verschuldet, als in so fern sie sich der Leitung eines Blinden oder Unsichtbaren (...) Vormundes und Führers überlässt. Dies ist der eigentliche Mann des Todes - Worin besteht nun das Unvermögen oder die Schuld des fälschlich angeklagten Unmündigen? In seiner eigenen Faulheit und Feigheit? Nein, in der Blindheit seines Vormundes, der sich für sehend ausgibt, und eben deshalb alle Schuld verantworten muss."









Christoph Martin Wieland (* 5. September 1733 in Oberholzheim bei Laupheim; † 20. Januar 1813 in Weimar) war ein deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber in der Aufklärung. Wieland war einer der bedeutendsten Schriftsteller der Aufklärung im deutschen Sprachgebiet und der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar, zu dem er neben Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller gezählt wurde.
http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Martin_Wieland


"Alle Gegenstände unserer Erkenntnis sind entweder gesehene Dinge oder Vorstellungen, Begriffe, Urteile und Meinungen. Gesehene Dinge werden aufgeklärt, wenn man bis zur Befriedigung eines jeden unparteilichen Forschers untersucht, ob und wie sie geschehen sind. Die Vorstellungen, Begriffe, Urteile und Meinungen der Menschen werden aufgeklärt, wenn das wahre vom falschen daran abgesondert, das Verwickelte entwickelt, das Zusammengesetzte in seine einffacheren Bestandteile aufgelöst, das Einfache bis zu seinem Ursprung verfolgt und überhaupt keine Vorstellung oder Behauptung, die jemals von Menschen für Wahrheit ausgegeben worden ist, ein Freibrief gegen die uneingeschränkteste Untersuchung gestattet wird. Es gibt kein anderes Mittel, die Masse der Irrtümer und schädlichen Täuschungen, die den menschlichen Verstand verfinstern, zu vermindern als dieses, und es kann kein anderes geben."

Frage: Wer ist berechtigt, die Menschheit aufzuklären?
Antwort: Jeder, der es kann, aber "allen, die nicht berufen sind auf Kanzeln und Kathedern zu lehren, (ist) kein anderes Mittel zur beliebigen Aufklärung der Menschheit zu gestatten, als die Buchdruckpresse. Ein Narr, der in einem Konventikel Unsinn predigt, kann in der bürgerlichen Gesellschaft Unheil anrichten: ein Buch hingegen, was auch sein Inhalt sein mag, kann heutzutage keinen Schaden tun, der entweder der Rede wert wäre oder nicht gar bald zehnfältig und hundertfältig durch andere vergütet würde."





Paul Thiry d’Holbach (* 8. Dezember 1723 in Edesheim bei Landau; † 21. Januar 1789 in Paris) war ein Philosoph der französischen Aufklärung, der vor allem für seine religionskritischen und atheistischen Thesen bekannt ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Henri_...E2%80%99Holbach


Wenn ein Atheist richtig geurteilt und seine Natur zu Rate gezogen hat, so hat er Prinzipien, die zuverlässiger und immer menschlicher sind als die des Abergläubischen, der durch eine finstere oder schwärmerische Religion entweder zur Torheit oder zur Grausamkeit geführt wird. Niemals wird man die Einbildungskraft eines Atheisten so sehr vernebeln, daß man ihm glaubhaft macht, Gewalttätigkeiten, Ungerechtigkeiten, Verfolgungen, Morde seien tugendhafte oder rechtmäßige Handlungen.

(Paul Thiry D'Holbach)
Wem dient also der Glaube? Einzig und allein einigen Menschen, die sich des Glaubens bedienen, um die Menschheit zu unterjochen.
(Paul Thiry D'Holbach)


Das entschleierte Christentum, oder Prüfung der Prinzipien und Wirkungen der christlichen Religion (Le christianisme dévoilé, ou Examen des principes et des effets de la religion chrétienne) ist ein dem Baron d’Holbach zugeschriebenes antichristliches Buch, das vermutlich 1766 unter Pseudonym in Nancy veröffentlicht wurde. In seinem religionskritischen Erstlingswerk weist Holbach auf Aspekte des christlichen Glaubens hin, die seines Erachtens widersprüchlich sind, und kritisiert besonders den moralischen und politischen Einfluss der christlichen Religion samt ihrem Klerus mit scharfen Worten. Die dargelegten Feststellungen finden zahlreiche Entsprechungen in Holbachs späteren Werken, enthalten jedoch nur latent atheistische Äußerungen und greifen noch hauptsächlich das Christentum im Gegensatz zur Religion im Allgemeinen an. Anders als frühere religionskritische Veröffentlichungen hat Le christianisme dévoilé keine Analyse über den historischen Ursprung von Religionen oder das Projekt einer deistischen Alternativreligion zum Inhalt, sondern gibt sich unverblümt als antichristliche Propagandaschrift zu erkennen. Das Buch löste in philosophisch-aufklärerischen Kreisen lebhafte Reaktionen aus und wurde sofort nach seinem Erscheinen von den französischen Behörden beschlagnahmt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_entschleierte_Christentum



Andreas Riem, (evangel.) Theologe, 1782 Prediger in Berlin, Kanonikus zu Herford, beständiger Sekretär und Assessor der Akademie der Künste in Berlin, revolutionärer Publizist, 1795 Verweisung aus Preußen, anschließend in Frankfurt a.M. und Homburg, zuletzt in Frankreich (1749-1807).
Quelle


Andreas Riem, 1788 (?):

Aufklärung ist ein Bedürfnis des menschlichen Verstandes

O ihr Könige der Erde! die ihr mit Priestern euch vereint und mit der Intolleranz unwürdiger Männer in Verbindung tretet, die ihr Partei gegen den Verstand und gegen Aufklärung nehmet, die die schädlichen Fesseln des Pfaffen-Despotismus von den Füßen eurer Ahnherren mittleidig wegnahm; die ihr der Aufklärung eure Größe, dem Verstande eure Sicherheit und gereinigte Grundsätze, die Grundsäulen eures Thrones zu verdanken habet, wer war´s, der euch zu wirklichen Herrschern machte, anders als die Aufklärung? Sie war´s, welche dem heiligen Sünder in Rom die Bannstrahlen aus der Rechten entwand, damit sie euch nicht erreichten; sie kämpfte mit Unerschrockenheit für die sicherheit eures Lebens und eurer Würde, welche Vorurteile der Religion, die die Völker von dem Eide der Treue frei machte, den sie euch geleistet, untergraben hatten. Sie nahm euch in Schutz gegen eure eigenen Kinder, die der falsche Religionseifer zu euren Verfolgern machte. Sie verbannte den im Gewande seiner Heiligkeit trotzenden Pfaffen, der als euer Untertan vor euren Thron sich drängte, die treulose Rechte gegen euch aufhob und mitten in euren Palästen, in der Mitte eurer Helden euch verfluchte, euren Untertanen ein ehrliches Begräbnis, die ausübung der Religion, und alles untersagte und raubte, wodurch das Glück des Staates blüht. (...)
Warum wollt ihr, geboren zu herrschen, Sklaven geistlicher Ohrenbläser sein, die gewiss nicht eure Wohlfahrt, sondern ihren hierarchischen Stolz durch alle Wege des listigen Betrugs suchen?

Verliert oder gewinnt der Staat durch Aufklärung?

Die Aufklärung zieht gegen Täuschung und Vorurteile zu Felde. Was verliert als oder Staat, wo sie siegt? Täuschung und Vorurteile.

Es gibt Gegner der Aufklärung, welche ihr die Lüge nachsagen, dass sie ungebundene Freiheit fordere. (...) (aber) Das eingeführte Eigentum unter den Menschen macht die Gesetze nötig und die Bedürfnisse der Gesellschaft ihre Häupter.
Nennet sie Kaiser, König, Aristokraten, Demokraten, wie ihr wollt, der Name tut hierbei nichts; kurz, jede Gesellschaft bedarf eines Oberhauptes, einer gesetzgebenden und vollziehenden Macht."







Johann Gottfried von Herder, geadelt 1802 (* 25. August 1744 in Mohrungen, Ostpreußen; † 18. Dezember 1803 in Weimar, Sachsen-Weimar-Eisenach) war ein deutscher Dichter, Übersetzer, Theologe und Geschichts- und Kultur-Philosoph der Weimarer Klassik. Er war einer der einflussreichsten Schriftsteller und Denker deutscher Sprache im Zeitalter der Aufklärung und zählt mit Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller zum klassischen „Viergestirn“ von Weimar.
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Herder


"Wort und Begriff der Humanität

Menschen sind wir allesamt und tragen sofern die Menschheit an uns (...). Leider aber hat man in unserer Sprache dem Wort Mensch und nochmehr dem barmherzigen Wort Menschlichkeit so oft eine nebenbedeutung von Niedrigkeit, schwäche und falschen Mitleid angehängt, dass man jenes nur mit einem Blick der Verachtung, dies mit einem Achselzucken begleitet ist, gewohnt ist.
"Der Mensch!" sagen wir jammernd oder verachtend und glauben, einen guten Mann aufs lindeste mit dem Ausdruck zu entschuldigen: "es habe ihn die Menschlichkeit übereilt" ...
Der Name Menschenrechte kann ohne Menschenpflichten nicht genannt werden; beide beziehen sich aufeinander (...)
Das Menschengeschlecht, wie es jetzt ist (...), hat seinem größten Teil nach keine Würde, man darf es eher bemitleiden als verehren. Es sollte aber zum Charakter seines Geschlechts, mithin auch zu dessen Wert und Würde gebildet werden. ...
Humanität ist der Charakter unseres Geschlechts; er ist uns aber nur in Anlagen angeboren und muss uns eigentlich angebildet werden. Wir bringen ihn nicht fertig auf die Welt mit; auf der Welt aber soll er das Ziel unseres Bestrebens, die Summe unserer Übungen, unser Wert sein ...

Humanität ist der Schatz und die Ausbeute aller menschlichen Bemühungen, gleichsam die Kunst unseres Geschlechts. Die Bildung zu ihr ist ein Werk, das unablässig fortgesetzt werden muss; oder wir sinken (...) zur rohen Tierheit, zur Brutalität zurück.

Nächst der Selbsterhaltung ward es also die erste Pflicht der Menschheit, den Schwächen unserer Nebengeschöpfe beizuspringen und sie gegen die Übel der Natur oder die rohen Leidenschaften ihres eigenen Geschlechts in schutz zu nehmen."







Gotthold Ephraim Lessing (* 22. Januar 1729 in Kamenz, Sachsen; † 15. Februar 1781 in Braunschweig) war ein bedeutender Dichter der deutschen Aufklärung. Mit seinen Dramen und seinen theoretischen Schriften, die vor allem dem Toleranzgedanken verpflichtet sind, hat dieser Aufklärer der weiteren Entwicklung des Theaters einen wesentlichen Weg gewiesen und die öffentliche Wirkung von Literatur nachhaltig beeinflusst. Lessing ist der erste deutsche Dramatiker, dessen Werk bis heute ununterbrochen in den Theatern aufgeführt wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Ephraim_Lessing


"Über die Wahrheit

Ein Mann, der Unwahrheit unter entgegengesetzter Überzeugung in guter Absicht ebenso scharfsinnig als bescheiden durchzusetzen sucht, ist unendlich mehr wert, als ein Mann, der die beste, edelste Wahrheit aus Vorurteil, mit Verschreiung seiner Gegner, auf alltägliche Weise verteidigt.
Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit, erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit besteht. Der Besitz macht ruhig, träge und stolz."






Julien Offray de La Mettrie (* 23. November 1709 [1] in Saint-Malo; † 11. November 1751 in Potsdam) war ein französischer Arzt und Philosoph. Bekanntheit erlangte er vor allem durch sein konsequent materialistisches Menschenbild, weswegen er seinen Zeitgenossen als enfant terrible der Aufklärung galt.

Der Aufklärer La Mettrie ist insbesondere durch seine Schrift mit dem eingängigen Titel L'homme machine (1748; dt.: Der Mensch eine/als Maschine) in die Geschichte der Philosophie eingegangen. Sein Discours sur le bonheur oder Anti-Sénèque (1748), den er selbst als sein Hauptwerk ansah, wurde hingegen von den Zeitgenossen geschmäht und später kaum noch beachtet.

Als „Monsieur Machine“ wurde für La Mettrie später die Klassifikation mechanistischer Materialist geläufig, ursprünglich eingeführt von Karl Marx, um den Fortschritt seines eigenen Denkens zum Historischen Materialismus zu markieren. Tatsächlich vertritt La Mettrie jedoch nicht die philosophische Position eines mechanistischen Materialismus.

Ausgehend von René Descartes entwickelte La Mettrie einen streng erfahrungsorientierten Materialismus, der jegliche metaphysische Vorannahmen oder Schlussfolgerungen verneint. So bestimmt er die Seele – einen zentralen Streitgegenstand der Frühaufklärung – als Resultat komplexer Körperfunktionen, die folgerichtig nicht nur durch deren individuelle Wandlungen (z.B. durch körperliche Funktionsstörungen oder durch Lernen) beeinflussbar ist, sondern somit auch als Ergebnis einer biologischen Entwicklung erscheint. Damit wich La Mettrie radikal von Descartes ab, der einen Dualismus von Geist und Materie angenommen hatte. La Mettrie war also materialistischer Monist und somit auch konsequenter Atheist, aber anders als manche seiner aufklärerischen Zeitgenossen kein leisetreterischer. Im Gegensatz zu fast allen prominenten Aufklärern seiner Zeit, die die Gleichwertigkeit ihrer Morallehre mit der christlichen beteuerten, verkündete La Mettrie offensiv, freilich mit den Worten eines fingierten „entsetzlichen Menschen“, „dass die Welt niemals glücklich sein wird, wenn sie nicht atheistisch ist.“[4]

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Julien_Offray_de_La_Mettrie

Siehe auch: La Mettrie ein gewollt unbekannter Bekannter.
Quelle: http://www.lsr-projekt.de/lm-un-bekannt.html






Was ist Aufklärung?
Geschrieben in Zeiten des Absolutismus, der Feudalherrschaft, wenige Jahre vor Ausbruch der französischen Revolution. Und nicht ohne Zufall ein höchst aktueller, höchst brisanter Text
http://eurodemostuttgart.wordpress.com/2...ist-aufklarung/




Erasmus

Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen. (Erasmus v. Rotterdamm)
http://zitate.net/erasmus%20von%20rotterdam.html


Der berühmteste und einflussreichste Humanist der frühen Neuzeit war Erasmus von Rotterdam, dessen philosophia christiana die Überbetonung der rhetorischen Kultur relativierte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus


Erasmus (Desiderius) von Rotterdam (* 27. Oktober 1466/1467/1469, wahrscheinlich in Rotterdam; † 11./12. Juli 1536 in Basel) war ein bedeutender niederländischer Gelehrter des europäischen Humanismus. Er war Theologe, Philosoph, Philologe und Autor zahlreicher Bücher.
http://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam


Werk:Erasmus war ein Vielschreiber und hat nach heutiger Erkenntnis etwa 150 Bücher geschrieben. Darüber hinaus sind über 2000 Briefe von ihm erhalten. Wegen seiner feinen Ausdrucksweise genossen seine Briefe in Europa große Aufmerksamkeit. Man schätzt, dass er täglich etwa 1000 Wörter zu Papier gebracht hat. Er sah sich (mit der neuen Buchdrucktechnik) als ein Vermittler von Bildung: „Menschen werden nicht als Menschen geboren, sondern als solche erzogen!“ Als Textkritiker, Herausgeber (Kirchenväter, Neues Testament) und Grammatiker begründete er die neuzeitliche Philologie. Er sprach meistens lateinisch und schrieb ausschließlich auf Latein oder Griechisch. Seine gesammelten Werke sind 1703 in zehn Bänden herausgegeben worden. Auf ihn geht die heute in westlichen Ländern übliche Aussprache, insbesondere die Betonung des Altgriechischen zurück. Die korrekte Aussprache ist heute umstritten und wohl nicht mehr zweifelsfrei klärbar, obwohl es eine in der Wissenschaft weitgehend akzeptierte Rekonstruktion gibt. Vgl. Altgriechische Phonologie.
http://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam


1515-1516: Erasmus von Rotterdam gibt die erste kritischen Ausgabe des griechischen Neuen Testaments mit lateinischer Übersetzung heraus. Seine Neuausgabe von 1519 dient Martin Luther bei der Übersetzung des Neuen Testaments.

1527-1528: Erasmus veröffentlicht "De Libero Arbitrio" (Vom freien Willen). Dabei bricht er Theologisch mit dem Reformator Martin Luther. Erasmus beharrt auf dem freien Willen des Menschen, Luther auf der Vorherbestimmung. An der Universität zu Basel trifft den humanistischen Mediziner Paracelsus.

1533: Erasmus versucht mit seiner Schrift "De sarcienda ecclesiae concordia", zwischen den Glaubensrichtungen zu vermitteln.

http://www.dibb.de/erasmus-von-rotterdam-humanismus.php


De libero arbitrio ist eine Streitschrift von Erasmus von Rotterdam aus dem Jahr 1524. Erasmus von Rotterdam verfasste sie in Reaktion auf Martin Luthers Theologie und auf Drängen vieler Zeitgenossen, darunter des Papstes. Erasmus bezieht – teilweise polemisch – Stellung gegen Luthers These, dass allein die göttliche Gnade (sola gratia) über das Schicksal des Menschen nach seinem Tod entscheidet und nicht seine eigenen Taten (Rechtfertigungslehre, Prädestinationslehre). Dies ist zu unterscheiden von der Willensfreiheit, welche sich auf das allgemeine Wollen und Handeln eines Menschen bezieht: lat. arbitrium bedeutet Wahlfreiheit im Gegensatz zu voluntas (Wille, Wunsch, im Sinne von Begierde, lat. voluptas). Die von Erasmus vertretene Position spiegelt, wenn auch nicht unkritisch, die Position des „alten Glaubens“, also der römischen Kirche, wider, dass durch die Entscheidung zum guten Tun der Mensch über seine Gnade bei Gott durch das richtige Verhalten gleichsam (mit)entscheiden könne. Luther verfasste 1525 die mitunter in sehr scharfem Ton gegen diese Position und ihren Verfasser gerichtete Schrift De servo arbitrio („Vom geknechteten Willen“), in welcher er diese bestritt. Die Kontroverse stellt den endgültigen Bruch zwischen Erasmus und Luther dar, die sich anfangs wohlwollend gegenübergestanden hatten.
http://de.wikipedia.org/wiki/De_libero_a...on_Rotterdam%29


Es wurde ein giftiger Intellektuellenstreit. Erasmus sparte überhaupt nicht mit Kritik an frömmelnden Christen, korrupten oder erstarrten Päpsten oder am teuflischen Ablasshandel. Aber er verwarf jeden gewaltsamen Eingriff in die einmal gegebene Ordnung. Für Luther war das ein schnörkelloser Verrat. Er schrieb an den falsch verstandenen Verbündeten: "Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig".
http://www.tlz.de/web/zgt/kultur/detail/...uther-433564907


Verhältnis zu Luther
Erasmus und Luther haben sich nie kennengelernt, korrespondierten jedoch mehr oder weniger öffentlich ab 1519 miteinander. Während Luther eine „harte Linie“ gegen das dekadente Papsttum der römisch-katholischen Kirche vertrat, setzte sich Erasmus für „innere Reformen“ ein und bat Luther um Mäßigung, so in seinem Brief vom 30. Mai 1519: ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam


Erasmus über Luther:
"Aus Hass verrückt", "von Gemütskrankheiten befallen" oder "von bösen Geistern besessen"
(Quelle: Otto Ludwig "Genie, Irrsinn und Ruhm")







Robert Blum (10.11.1807- 09.11.1848), deutscher Politiker, Publizist, Verleger und Dichter, stammte aus der Unterschicht und hatte sich zum Teil autodidaktisch weitergebildet. Er war eine führende Persönlichkeit der liberalen und nationalkirchlichen Bewegung des Deutschkatholizismus.Er war Abgeordneter in dem als Folge der Revolution entstandenen ersten demokratisch gewählten gesamtdeutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung. Dort setzte er sich als einer der führenden Köpfe der Demokraten für eine republikanische Verfasstheit des deutschen Nationalstaats ein. Dabei war er auf Kompromisse mit dem linken Flügel der Liberalen ebenso bedacht wie auf einen strikt demokratischen Kurs. Während der zweiten Revolutionsphase nahm Blum am Oktoberaufstand 1848 auf der Seite der Revolutionäre an der Verteidigung Wiens gegen die kaiserlich-österreichischen Truppen teil und wurde nach der Niederschlagung des Aufstands nach einem Standgerichtsurteil hingerichtet.

1832 ging er als Theatersekretär, Bibliothekar und Kassenassistent nach Leipzig.

„[…] Es hätte nie ein Christentum und nie eine Reformation und keine Staatsrevolution und überhaupt nichts Gutes und Großes gegeben, wenn jeder stets gedacht hätte: ‚Du änderst doch nichts!‘ […]“ – Robert Blum 1844 in einem Brief an seine Schwester

1836 arbeitete Blum kurz in der Leipziger Freimaurerloge Balduin zur Linde mit.
1839 Ehrenmitglied „wegen seiner Verdienste um die Demokratie“ der Leipziger Burschenschaft („Kochei“ - Leipziger Burschenschaft Germania)
Auch die Leipziger Schiller-Feiern ab 1840 wurden für Blum zu Bühnen. Aus dem Festkomitee ging der Schillerverein hervor, dessen Vorsitz Blum 1844 übernahm. Ihm ging es hierbei weniger um Schiller als vielmehr um Meinungspublikation im demokratischen Sinne.
1843 gab Blum zum ersten Mal Vorwärts! heraus, ein Taschenbuch für das einfache Volk, das in jedem Jahr eine neue Auflage erlebte.
1840 erschienen zum ersten Mal die Sächsischen Vaterlandsblätter, eine oppositionelle Zeitung Blums. Die preußische Regierung verbot 1845 die Sächsischen Vaterlandsblätter, da sie enge Kontakte zur demokratischen Bewegung in Schlesien pflegten.
Ab 1843 erschienen Beiträge der Frauenrechtlerin Louise Otto. Blum, der eine Gleichberechtigung der Frau befürwortete
Im selben Jahr (45) erregte Blum durch seinen Auftritt während der Leipziger Unruhen Aufsehen. Am 12. August 1845 traf der sächsische Prinz Johann, der Bruder des Königs, in Leipzig ein. Als überzeugtem Katholiken wurde ihm von Seiten der Deutsch-Katholiken mit Feindseligkeit begegnet.
1846 wurde Blum in Hallgarten zum Organisator der norddeutschen Demokraten ernannt.
1845 gründete Blum den Redeübungsverein, in dem außer politischen Äußerungen auch Vorträge zu wissenschaftlichen Themen gehalten wurden.

In den 1840er-Jahren formierte sich die Bewegung der Deutsch-Katholiken, die katholische Glaubensformen wie den Heiligenkult, die Beichte oder den päpstlichen Primat ablehnte. Einer der wichtigsten Vertreter war der schlesische Kaplan Johannes Ronge. Blum diente diesem 1844 als Verleger mittels der Sächsischen Vaterlandsblätter. 1845 gründete er die Leipziger Gemeinde und half Ronge dabei, ein Konzil in Leipzig für die auf mehrere zehntausend Mitglieder angewachsene Bewegung einzurichten. Das Konzil legte Glaubensstatuten fest, die von Blum herausgegeben wurden.
Gegen eine Bekanntmachung der sächsischen Regierung von Könneritz zur Unterdrückung der Bewegung erhob Blum Widerspruch und verlangte freie Religionsausübung. Blum agierte in der Folgezeit als eine Art Leiter der Gemeinde in Leipzig. Da ein Mangel an Predigern herrschte, leitete Blum einige Gottesdienste. Dies war eine Notlösung und keinesfalls Blums Wunsch.
Blum war gegen jede Regulierung des Glaubens durch ein Glaubensbekenntnis und hätte statt der Leipziger Statuten lieber ein möglichst aus der Bibel übernommenes Bekenntnis gesehen.
Ihm missfiel auch das Streben der Kirche nach staatlicher Akzeptanz. Blums Ziel im religiösen Bereich war die Schaffung einer Privatreligion. Sein endgültiges Urteil über den Deutschkatholizismus findet sich in einem seiner Beiträge im Staatslexikon 1848. Dort schrieb er über die Deutsch-Katholiken, dass sie trotz allem doch noch zu viele religiöse Verpflichtungen auferlegten und ihren Mitgliedern gleichzeitig zu wenige Freiheiten ließen.


Als politisches Ziel verfolgte Blum die Zerstörung der geistlichen Vorherrschaft der römisch-katholischen Kirche. Aus diesem Grunde missfiel ihm die mögliche Streichung des Wortes „katholisch“ aus dem Namen der Bewegung, da dadurch das allgemeine Interesse an der Kirche nachlassen und eine Konkurrenzsituation mit der päpstlich-katholischen Kirche entfallen würde.
Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Leipzigs erteilte Blum die Vollmacht, die Gleichberechtigung der Religionen zu vertreten.
Blum bezog Stellung gegen Polenhass.
Er war gegen das Vormachtstreben einzelner Nationen und unterstützte das Konzept eines in allen Teilen freien Europas.
„Der Gedanke der Befreiung und Erlösung der Völker […] Das Ziel der Verbrüderung des freigewordenen oder freiwerdenden Westens, das ist es, dem ich meine Stimme leihe. Mit der Erreichung dieses Ziels ist die Freiheit und der Friede in Europa gesichert, mit der Erreichung dieses Zieles ist die größte und intelligenteste Abtheilung der europäischen Staatenfamilie in einer unbesiegbaren Vereinigung zusammen […]“
Robert Blum am 22. Juli in der Paulskirche

https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Blum




„Es ist der gesunde Menschenverstand, die Bildung der Zeit, das Licht und die Wahrheit, die ihr gelästert und die Euch nun zermalmen“ Politiker und Aufklärer Robert Blum - http://www.humanismus.de/aktuelles/gedanken-ueber-zukunft-organisierten-humanismus




Nachleben:
Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands K.d.ö.R. (BFGD) ist aus dem Zusammenschluss der Deutschkatholiken mit den Protestantischen Lichtfreunden entstanden:

Organisierte Kirchenkritik formierte sich allerdings bereits im Vormärz der Bürgerlichen Revolution von 1848. Die Initialzündung ging dabei von einem Offenen Sendschreiben des katholischen Priesters Johannes Ronge (1813-1887) aus, der die Ausstellung des sog. hl. Rockes 1844 verurteilte, den Bischof Wilhelm Arnoldi (1798-1864) zu Trier, der Verbreitung von Aberglaube bezichtigte und ihm zu rief: „Wissen sie nicht, als Bischof müssen Sie es wissen, Jesus hat uns seinen Geist, nicht seinen Rock hinterlassen. Sein Rock gehört seinen Henkern“. Der radikaldemokratische Politiker Robert Blum (1807-1848) veröffentlichte diesen Brief in den vom ihm herausgegeben „Sächsischen Vaterlandsblätter“ und löste damit ein gewaltiges Echo aus, was zur Gründung von Deutschkatholischen Gemeinden führte. Diese vereinigten sich 1859 mit liberalen Protestanten, den sog. Protestantischen Lichtfreunden, zum Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands.

Ronge bleibt neben Robert Blum und Karl Schurz (1829-1906), eine der tragenden Säulen dieser Bewegung und ein mutiger Vorkämpfer für eine liberale Religion im Sinne der Aufklärung und des Ethischen Humanismus …. https://hpd.de/artikel/bedeutet-freireligioes-14697







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