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Die Inquisition



Die Inquisition wurde geschaffen, um die Häresien nicht mit den Mitteln der Überzeugung, sondern mit den Mitteln der Gewalt zu verfolgen und auszurotten. Der organisierte Terror, das war das wundertätige Mittel, mit dessen Hilfe die Kirche ihre Position zu halten und zu festigen versuchte.




Die Kirche behauptete, wenn sie ihre Opfer den grausamsten Folterungen unterzog, sie auf Scheiterhaufen verbrannte und ihnen ohne Begründung die unsinnigsten Verbrechen andichtete, dass sie auf diese Weise die unsterbliche Seele der Menschen rette und ihnen so die jenseitige Glückseligkeit sichere.







Vorbereitungen zur Hexenverbrennung













Kirchliche Inquisition

Als Inquisition wurden im Mittelalter auch die inquisitio haereticorum beziehungsweise die inquisitio haereticae pravitatis bezeichnet, die für die Bekämpfung solcher Lehren eingesetzt wurde, die von der Römisch-katholischen Kirche als ketzerische Irrlehren verurteilt worden waren.




Inquisitionsprozesse von kirchlicher Seite wurden ursprünglich vom Papst an die Bischöfe delegiert; erst als sich dieser Weg als wenig effektiv herausstellte, wurde allmählich eine Institution gebildet.




Die alte römische Inquisition als Organ des Vatikans wurde 1908 umbenannt in Sacra congregatio Romanae et universalis Inquisitionis seu Sancti Officii oder kurz Sanctum Officium. Seit der Umstrukturierung der römischen Behörden im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils ist die Kongregation für die Glaubenslehre mit geänderter Aufgabenstellung an ihre Stelle getreten.




Im Unterschied zu anderen Gerichtsformen (vergleiche Römisches Recht und Neuzeit) stand bei einem unter der Inquisition stattfindenden Prozess die inquisitio ( Befragung, Untersuchung) im Vordergrund, und nicht die Anklage. Alle Ermittlungen, die nach anderem Rechtsverständnis für eine Verdachtsbegründung, eine Anklage sowie die Eröffnung eines Prozesses nötig wären, wurden, bis auf die Beweis- und Anklagssuche im Prozess selbst erledigt. Diese Verfahrensweise wird als Inquisitionsverfahren bezeichnet. Vor dem Inquisitionsgericht hatten Sachbeweise keine Gültigkeit. Das heißt, zum Beweis von Schuld oder Unschuld gab es nur die Möglichkeit der Aussage von Zeugen. Durch diese Verfahrensweise dauerten die Inquisitionsprozesse oft sehr lange und erforderten die Befragung von immer mehr Zeugen, wobei manchmal ganze Stadtbevölkerungen betroffen waren.







Die Inquisitoren ( Richter)

Als oberstes Haupt der Inquisition galt der römische Papst.




Das Inquisitionstribunal unterlag keiner Zensur und Kontrolle.




Die Inquisitoren wurden vom römischen Papst ernannt und waren nur ihm alleine verantwortlich. Die Inquisitoren waren mit nahezu unbegrenzten Rechten und Vollmachten ausgestattet. Niemand außer dem Papst konnte sie wegen dienstlicher Vergehen aus der Kirche ausschließen.




Die Inquisitoren wurden vor allem von zwei Mönchsorden gestellt, den Dominikanern und Franziskanern.




Die Inquisitoren wechselten mit den Päpsten.




Im 14.Jahrhundert begann man zu den Inquisitoren Juristen zu ernennen, die die Aufgabe hatten, die Anschuldigungen und Urteile so zu formulieren, dass sie der weltlichen Gesetzgebung nicht widersprachen. Diese Juristen dienten als Schirm für die Gesetzlosigkeit der Inquisitoren, sie deckten deren Verbrechen.




Die Inquisition galt als das höchste Organ des Staates, ihr mussten geistliche wie weltliche Behörden gehorchen.







Geschichte der Inquisition

In den Urgemeinden des Christentums konnten nur Bischöfe gegen Häretiker vorgehen. Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, wurden Irrlehrer aufgrund eines Edikts Kaiser Theodosius´I. aus dem Jahre 380 auch reichsgesetzlich verfolgt und mit der Todesstrafe bedroht. Der erste tatsächlich hingerichtete Ketzer war Priscillian im Jahr 385.




Die eigentliche Inquisition entwickelte sich erst um 1100mit dem Aufkommen der Bogomilen, Katharer (Albigenser) und Waldenser, die aufgrund ihrer Zahl eine Kirchenspaltung erwarten ließen und auch als gesellschaftliche Bedrohung empfunden wurden. Die Gründung der Inquisition als Behörde erfolgte im 13. Jharhundert. Man bezog sich dabei auf Bibelstellen und Kirchenväter in mittelalterlicher Interpretation, insbesondere auf Augustinus von Hippo, einen der einflussreichsten Theologen und Philosophen der christlichen Spätantike.










Augustinus als „Theologe der Inquisition“

Die Inquisition bezog sich auf Schriften von Augustinus von Hippo, die er aus der konkreten – teilweise für ihn lebensgefährlichen – Auseinandersetzung mit den Donatisten heraus geschrieben hat. Ursprünglich suchte Augustinus die Häretiker zu überzeugen. Später empfahl er „gemäßigte Strenge“ (temperata severitas), schließlich Maßnahmen der weltlichen Macht wie Geißelung, Buße und Verbannung, in Extremfällen auch die Todesstrafe.




Die Inquisition griff insbesondere zwei Argumente von Augustinus heraus:




Einem Abtrünnigen den rechten Weg zu zeigen, wenn er diesen nicht gehen wolle, auch unter Zwang, sei ein Akt christlicher Nächstenliebe. Häretiker seien verirrte Schafe, die die kirchlichen Hirten notfalls mit Stock und Knüppel wie züchtigende Eltern gegenüber dem Kinde zur Herde zurückführen würden. Folter sei legitim, da sie nur das sündige Fleisch, nicht aber die Seele schädige. In der Konsequenz sei es besser, die Häretiker zu verbrennen, als „in den Verirrungen zu erstarren“. Die Häretiker „töten die Seelen der Menschen, während die Obrigkeit nur ihre Leiber der Folter unterwirft; sie rufen ewigen Tod hervor, aber beklagen sich dann, wenn die Behörden sie dem zeitlichen Tod überantworten“.




Die Androhung der Folter stelle den Häretiker nachdrücklich vor die Entscheidung, entweder in seiner Verirrung zu verharren sowie den „Feuerofen der Qual“ samt dem Verlust des Lebens in Kauf zu nehmen. Liebe und Vertrauen zu Gott und in die einmal erkannte Wahrheit dürfte hier die einzig glaubwürdige Motivation sein, siehe auch: „Die drei Männer im Feuerofen“, Daniel 3,17f wo es heißt: „Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen.“ Die Alternative war „klüger zu werden“, um in den Schoß der Kirche zurückzukehren.




Die Inquisition übersah allerdings Aussagen, die ihre Sicht in Frage stellten, wie etwa die von Augustinus in Corrigi eos volumus, non necari, nec disciplinam circa eos negligi volumus, nec suppliciis quibus digni sunt exerceri. „Wir möchten sie verbessert haben, nicht getötet; wir wünschen uns den Triumph der Kirchenzucht, nicht den Tod, den sie verdienen.“ oder Johannes Chrysostomos: „Einen Ketzer zum Tod verurteilen, ist ein Vergehen ohne mögliche Wiedergutmachung“ und die energischen Proteste von Ambrosius von Mailand und Martin von Tours gegen die Hinrichtung eines Häretikers durch den Kaiser.




http://www.henker-folter.de/9.html







Vor allem mit der Anerkennung der Frau als Mensch mit gleichen Rechten wie der Mann tat sich die Kirche schwer. Seltener als Männer hatten Frauen Glaubenssätze geleugnet. An sich hätte man sie daher weniger verfolgen dürfen als die Männer. Aber indem man sie der Hexerei bezichtigte, konnte man sie nun auch wegen Ketzerei anklagen. Hexerei sei Ketzerei, lautete die Gleichung. Und so eröffnete sich der Inquisition ein neues dankbares Feld der Bestätigung und Selbstbestätigung.


Die von Papst Gregor IX. (um 1167-1241, Papst seit 1227) ernannten und ausgesandten Inquisitoren meldeten dem Pontifex Maximus eine horrende Ausbreitung des Hexenunwesens und scheußliche Teufelspakte von Frauen aller Gesellschaftsschichten. In "brennender Sorge" erteilte also Gregor als erster Papst den Befehl zur Hexenverfolgung, die nun bis hinauf ins 18. Jahrhundert in den verschiedensten Gestalten und Auswüchsen wüten sollte ...


Papst Innozenz VIII. (1432-1492, Papst seit 1484) hatte ... allen jenen schreckliche Strafen angedroht, die der von ihm befohlenen Hexenvernichtung entgegentreten sollten. So konnte denn unter der Sonne der allerhöchsten päpstlichen Sanktionierung die Orgie der Vernichtung der Hexen ihren Lauf nehmen.
Noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in dem fast eine Million Menschen, meist Frauen, den Hexenprozessen zum Opfer fielen, ließ der
Bischof von Bamberg 600 Frauen verbrennen
Erzbischof von Salzburg 97 Frauen verbrennen
Bischof Philipp Adolf von Ehrenberg aus Würzburg 219 Hexen und Zauberer verbrennen, darunter 18 Schulknaben, ein blindes Mädchen, ein neunjähriges Mädchen und sein noch jüngeres Schwesterchen.
Erzbischof Johann von Trier verbrannte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts so viele Hexen, dass in zwei Ortschaften gerade noch zwei Frauen übrig blieben.
Ein Mainzer Dechant ließ in zwei Dörfern über 300 Menschen verbrennen, nur um an ihre Güter zu kommen.

Die Orgie der Vernichtung der "Hexen" wurde noch dadurch angeheizt, dass die Inquisitoren, aber auch Richter und Beichtväter, die mit dem Beichtgeheimnis keineswegs zimperlich umgingen, an manchen Orten Kopfgelder für jede hingerichtete "Hexe" erhielten, so dass der Spruch aufkam, das schnellste und leichteste Mittel, sich zu bereichern, sei das Hexenverbrennen.
An Brutalität und sadistischer Grausamkeit war jedenfalls der Vernichtungskrieg der Päpste und ihrer Inquisitoren gegen die "Hexen" nicht mehr zu überbieten. Wahrscheinlich sind dabei mehr als drei Millionen Menschen, vor allem Frauen, bestialisch ermordet worden ...

Beide Kirchen, die katholische wie die evangelische, tragen eine ungeheure, unauslöschliche Schuld wegen ihrer Verteufelung, Verfolgung und Vernichtung von so vielen Frauen. Erinnert sei dabei auch an die perverse Erfindungskunst, die einzig und allein dazu diente, die "bösen Frauen" mit den verschiedensten Instrumenten zu bestrafen ...


Papst Paul III. (1468-1549, Papst seit 1534) richtete 1542 die Inquisition als Kardinalskommission ein, die als Zentralinstanz für alle Länder über die Reinheit des Glaubens zu wachen hatte.


Sixtus V. (1521-1590, Papst seit 1585) legte 1588 ihren endgültigen Status als "Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis" (Kongregation der Römischen und universalen Inquisition) fest. Viel später, nämlich 1908, erhielt diese zentrale Inquisitionsbehörde den Namen "Heiliges Offizium". Heute heißt sie ganz harmlos und verharmlosend "Kongregation für die Glaubenslehre". Aber der inquisitorische Geist ist der gleiche geblieben.


Der "Hexenhammer" der Kirche
Eine besonders scheußliche Rolle bei der Verfolgung von Frauen spielte ein Buch, der sog. "Hexenhammer" (Malleus Maleficarum; von 1486 bis ins 17. Jahrhundert in 29 Auflagen gedruckt). Es ist das Standardwerk für das Aufspüren, Dingfestmachen und Bestrafen von Hexen und hat wahrscheinlich mehr Unheil über die Frauen gebracht als jedes andere Buch. Der Hexenhammer ist die komplette Theorie und Praxis der Hexenjagd und beweist eindrucksvoll, dass man aus jeder Idiotie eine seriös daherkommende Theologie machen kann, wenn man nur pervers genug ist ..."



Joseph Kardinal Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI.:
[Jesus Christus ... ] "Lass jeden von uns zur Einsicht gelangen, dass auch Menschen der Kirche im Namen des Glaubens und der Moral in ihrem notwendigen Einsatz zum Schutz der Wahrheit mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen."
Joseph Kardinal Ratzinger, seit 2005 Papst Benedikt XVI., am 12.3.2000 in Rom anlässlich der Verkündung eines so genannten "Schuldbekenntnisses" aufgrund der Verbrechen der Kirche (das so genannte "Mea Culpa"). Der Papst und die Kardinäle haben mit ihren schöngefärbten Worten aber nicht ihre Opfer um Verzeihung gebeten - was notwendig wäre und bei einer echten Reue auch selbstverständlich. Man richtete stattdessen ein allgemeines Wortgeflimmer an die Adresse von "Jesus Christus".

"Großinquisitor ist eine historische Einordnung, irgendwo stehen wir in der Kontinuität. Aber wir versuchen heute das, was nach damaligen Methoden, zum Teil kritisierbar, gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne ´inquisitio`, das heißt, dass Untersuchungen stattfinden mussten."
Joseph Kardinal Ratzinger im ARD-Magazin Kontraste (3.3.2005) zu seinem inoffiziellen Titel "Moderner Großinquisitor". Wenige Wochen später wurde er zum Papst gewählt.

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